Brauchtum

Zur Erlangung des Segens für Feldfrüchte begeht man in den katholischen Pfarrgemeinden des Ahorntals an den drei Tagen vor Christi Himmelfahrt die sogenannten Bittage. An jedem dieser Tage zieht die Kirchengemeinde durch einen Teil der zur Pfarrei gehörigen Flur. Während des Flurumganges wird gebetet und gesungen.

Besonders feierlich begeht man in den Pfarrorten das Fronleichnamsfest, das am zweiten Donnerstag nach Pfingsten gefeiert wird. Alle Häuser sind mit Fähnchen, Blumen und Girlanden geschmückt. Der Weg, den die Prozession durch das Dorf nimmt, ist mit Gras und Blumen bestreut und wird von jungen Birken gesäumt. Er führt zu den vier Altären, die im Ort verteilt sind. Für die Prozession gilt eine seit alters festgelegte Reihenfolge: voran die Fahnenträger und die Kinder, anschließend die Jugendlichen und die Männer, dann die Mädchen in ihren Erstkommunionkleidern und der Priester mit der Monstranz unter einem Baldachin, begleitet von Feuerwehrleuten, dahinter die Musik und zum Schluß die Frauen.

Am 24. Juni wird von allen Dorfgemeinschaften, die etwas auf sich halten, das Johannisfeuer abgebrannt. Jeder Ort ist bestrebt, ein grosses, hoch aufloderndes Feuer zu haben. Während das Feuer brennt, grillen die Erwachsenen Bratwürste und trinken Bier. Die Kinder entzünden alte Reisigbesen und schwingen sie als Fackeln. Ist das Feuer niedergebrannt, darf der Sprung darüber gewagt werden.

In einigen Fällen bäckt man an Johanni noch die Hollerküchla. Dabei werden die Blüten des Holunderstrauches durch eine Art Eierkuchenteig gezogen und in heißem Fett schwimmend ausgebacken.

An Mariä Himmelfahrt, am 15. August, bei uns Wurzweih genannt, wird der Wurzbüschel geweiht. Nach einer strengen Regel sollen in dem Strauß 77 Pflanzen vertreten sein. Das Sammeln der Kräuter und Pflanzen ist Aufgabe der Frauen und Mädchen, die den Wurzbüschel in der Kirche weihen lassen. Anschließend wird er zum Trocknen aufgehängt und später zerrieben. In den Rauhnächten mischt man das Pflanzenpulver unter das Viehfutter. Es soll dem Vieh Gesundheit verleihen und es vor Hexenzauber schützen.

Das größte Fest ist für viele Ahorntaler das Kirchweihfest, das sich über mehrere Tage hinzieht. Zum Auftakt gibt es am Donnerstag das Krenfleisch in der Dorfgaststätte. Am Freitag werden die Küchla gebacken, die an keiner Kirchweih fehlen dürfen. Sie gelten bei uns seit Menschengedenken als große Spezialität und werden nur an den höchsten Festtagen hergestellt.
Die rechte Zusammensetzung des Teiges ist und bleibt ein Familiengeheimnis. Vor allem die älteren Frauen beherrschen die Kunst des richtigen Ausdrehens und Ausziehens des Teiges. Kein Wunder, wenn daher zum Küchlabacken die Spezialisten aus Nachbarschaft und Verwandtschaft aufgeboten werden. Am Samstag stellen die Kerwaburschen den Kerwabaum auf.

Für die jungen Burschen einer jeden Ortschaft ist es Ehrensache, den höchsten Baum aufgestellt zu haben. Besondere Rivalitäten in dieser Hinsicht lieferten sich in der Vergangenheit die Kirchahorner und die Oberailsfelder. Am Sonntagnachmittag ist beispielweise in Kirchahorn das ganze Dorf im Aufbruch, um das Aufspielen nicht zu versäumen. Unter Beteiligung der Ahorntaler Blasmusik marschieren paarweise die Kerwamadla und die Kerwabum auf dem Dorfplatz auf, erstere im Dirndl, letztere in dunkler Hose, mit einem weißen Hemd und einer weißen bestickten Schürze, Schärza genannt, um abwechselnd ihre Schnaderhüpferla vorzutragen. Ein Teil davon hat altbekannte Texte, der andere beleuchtet kritisch oder ironisch das Dorfgeschehen in der letzten Zeit. Nach jedem Vers wiederholt die Musik die Melodie und die jungen Leute tanzen im Kreis. Am Montagnachmittag ziehen die Kerwabum und Kerwamadla auf einem mit Blumen und Birken geschmückten Wagen in Kirchahorn und Freiahorn mit einigen Musikanten los, um in den umliegenden Dörfern und Weilern vor jedem Haus zu spielen, zu tanzen und zu singen.
Ihren Dank entrichten die Hausleute in Form einer Spende. Zur abendlichen Tanzveranstaltung erscheinen auch die älteren Leute, um gemeinsam mit den Jugendlichen den Ausklang der Kirchweih zu feiern.

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