Geschichte

Schloss Unteraufseß

Mit der Gründung des Bistums Bamberg und verschiedener Klöster beginnt vom Jahr 1007 an das Dunkel durch reichliches Material an Urkunden und Chroniken sich zu lichten. Im Jahre 1114 tritt die Familie von Aufseß mit dem freien Herrn - liber homo- Herolt de Ufsaze, in die Geschichte ein. Als Edelfreie, die sich von den Dienstmannen (Ministerialen) der Bischöfe und der Herzoge von Maranien auf der Plassenburg stets deutlich abheben, werden mehrere Herrn von Aufseß bis zum Jahre 1255 beurkundet.

Von 1296 an erscheint Ritter Otto von Aufseß in etwa 80 Urkunden als der bedeutendste Vertreter der Familie. Mit seinen sieben ritterlichen Söhnen hat er auch in der allgemeinen Politik eine Rolle gespielt. So hat er auf Seite Kaiser Ludwigs von Bayern an der Schlacht bei Mühldorf 1322 teilgenommen. Als unabhängiger Ritter bot er mit seinen Söhnen seine Dienste und seine Burgen Aufseß, Wüstenstein, Freienfels, abwechselnd dem Burggrafen von Nürnberg, dem Bischof von Bamberg und den Grafen von Truhendingen und Henneberg an.

Seine Burg Aufseß war sein freies Eigen und war in kriegerischer Hinsicht für die benachbarten Landsherren von besonderem Interesse. Denn sie sperrte wichtige Verkehrslinien, so von Ost nach West die Straße Bayreuth-Plankenfels, Heiligenstadt-Bamberg und von Süd nach Nord die Aufseßtalstraße Streitberg-Wüstenstein-Hollfeld. Die Landsherren versuchten daher wiederholt durch Burgöffnungsverträge mit den Herren von Aufseß den freien Durchzug und die Besetzung mit eigenen Streitkräften zu sichern. Die Burg war im Mittelalter viel umfangreicher als jetzt. Um die innere Burg, wie sie heute noch besteht, schloß sich eine äußere Burg, die mit Mauern und Toren befestigt war, und den ganzen jetzigen Ortsteil Haag umfaßte. Es war eine sehr umfangreiche Burganlage, die schon fast einem kleinen Städtchen gleichkam. Zu deren Verteidigung hätte eine einzelne Linie der Familie nicht ausgereicht. Deshalb wurde auch die Burg als gemeinschaftliches Eigentum aller Familienmitglieder durch Friedensverträge bestimmt, so daß jeder einzelne Zweig einen besonderen Anteil und eine besondere Kemnate in der Burg besaß.

Als Einzelwohnsitze dienten außer dem jetzigen Schloß die Kemnaten, die jetzt als Gasthaus zur Post, als Authenriedhaus und als Pfarrhaus noch bestehen, sowie das erst im vorigen Jahrhundert abgetragene Ulrichhaus auf der Ecke der inneren Ringmauer. Den Mittelpunkt bildete der auf steilem Felsen aufragende uralte Burgturm, ein viereckiger Bergfried mit dicken Mauern ohne Fenster, der oben ein Wächterhaus getragen hat, das nur mittels einer Stickleiter von außen her erstiegen werden konnte. Das angebaute Häuschen auf dem steilen Burgfelsen wird schon als Meingozsteinhaus genannt, stammt also offenbar aus der Zeit des Edelfreien Meingoz von Aufseß, der 1136 bis 1163 beurkundet ist. Ein Steinhaus stellte damals eine Neuerung gegenüber den Holzbauten der alten Burgen dar.

Im Jahre 1395 schlossen alle Mitbesitzer einen umfangreichen neuen Burgfriedensvertrag. Die Pergamenturkunde ist im Original noch im Familienarchiv vorhanden. Sie regelt die mit 8 Steinkreuzen bezeichneten Grenzen des Burgfriedensgebietes, die Besitzanteile, die Pflichten der Verteidigung, die Bezüge der Türmer und Torwächter, erwähnt auch das Burgverlies als Loch unter dem großen Turm und verbietet strengstens die Einbringung geraubten Gutes in die Burg. Was das kirchliche Leben betrifft, so bestand schon 1309 eine Kapelle in der Burg, die dem heiligen Pankratius und Blasius geweiht war und die Ritter Otto schon als Erbbegräbnis seiner Vorfahren bezeichnet hat, die demnach schon eine sehr frühe christliche Stiftung darstellt. Das Kaplanhaus muß nach der Beschreibung im Burgfrieden beim unteren Mühltor gestanden haben.

Im Jahre 1420 bestieg der Domherr Friedrich von Aufseß den bischöflichen Stuhl zu Bamberg als Fürstbischof. Er geriet in die schwere Zeit der Hussitenkriege, die als Rache für die Verbrennung ihres Reformators Huss und aus tschechischen Nationalhaß 1430 in Franken einbrachen und schwere Verwüstungen anrichteten, auch die Burg Aufseß völlig niederbrannten.

Zur Reformationszeit hat der Bauernkrieg 1525 wie alle übrigen adeligen Schlösser auch Aufseß nicht verschont und die ganze Burg schon zum zweitenmal in Asche gelegt. Die aufrührerischen Bauern mußten sich einem schweren Strafgericht durch den Bischof unterwerfen, wozu auch die Herren von Aufseß ihre erlittenen Schäden in einer umfangreichen, noch im Archiv erhaltenen Pergamentschrift angemeldet hatten. Die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts brachte dem fränkischen Adel offenbar eine Zeit hohen Wohlstandes. Im Besitz des Geschlechts befanden sich damals etwa 10 feste Schlösser und über 50 Dörfer, deren Aufzählung hier im Einzelnen zu weit führen würde.

Dann kam der 30jährige Krieg, der diesem Wohlstand ein gründliches Ende bereitete. Im Jahre 1634 drang eine kaiserliche Truppe von Kroaten in Aufseß ein und zerstörte (nun zum dritten Mal) die Burg durch Feuer und plünderte auch die Ortschaft vollständig aus. Zum Überfluß brach auch noch die Pest in Aufseß aus, der die gesamte Bevölkerung mit Ausnahme der geflüchteten Burgherrn zum Opfer fiel. Die leerstehenden Bauernanwesen wurden hierauf an neuzugezogene auswärtige Bauern verliehen, die den Grundstock der jetzigen Einwohnerschaft bilden. Der gemeinschaftliche Besitz der Burg führte von 1677 an zu schweren Steitigkeiten zwischen den Brüdern Friedrich und Carl Heinrich von Aufseß.

Der letztere entschloß sich daher im Jahre 1690, auf einem Berg eine Viertelstunde oberhalb der Stammburg, wo bisher ein offener Ökonomiehof gestanden hatte, ein festes Schloß mit Mauern und Türmen zu erbauen, welches er Oberaufseß benannte. Seit dieser Zeit bestehen in Aufseß zwei Linien der Familie mit 2 Schlössern bis zum heutigen Tage.

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