Ausgrabungen

Archäologische Ausgrabungen im Pfarrgarten in Creußen 2001

Creußen wird erstmals 1003 als „urbs crusni“ im Rahmen der Streitigkeiten zwischen dem späterer Kaiser Heinrich II. und dem Schweinfurter Markgrafen Hezilo erwähnt. Seine besondere Bedeutung zeigt sich daran, dass Hezilo seine Familie in der Burg Creußen in Sicherheit brachte. Letztendlich behielt Kaiser Heinrich II. die Oberhand. Aus der historischen Überlieferung wird jedoch nicht klar, ob die Burg damals zerstört wurde. Von der Burg des Schweinfurters ist in der heutigen Creußener Oberstadt nichts mehr zu sehen. Für archäologische Testgrabungen bot sich das exponierte und unbebaute Gelände des Pfarrgartens auf dem höchstgelegenen Punkt der Altstadt an.

Mit freundlicher Zustimmung des evangelischen Pfarramtes Creußen fanden dort von April bis Juni 2001 archäologische Testgrabungen unter der Leitung von Dr. Magnus Wintergerst, Bamberg, statt. Träger der Forschungsgrabung war die Stadt Creußen mit maßgeblicher Unterstützung durch die Oberfrankenstiftung. Die fachliche Betreuung der Maßnahme liegt beim Bayer. Landesamt für Denkmalpflege, das das Projekt auch mit Fachpersonal unterstützt. Dabei kamen nicht nur wichtige Befunde in Bezug auf die Stadtgeschichte Creußens zu Tage, sondern Ergebnisse von überregionaler Bedeutung. Besonders überraschte die hervorragende Qualität und Höhe des erhaltenen Mauerwerks.

Aus dem 14. Jahrhundert wurde der innere Bereich eines Gebäudes erfasst, das bei einem Umbau mit einem mächtigen Mittelpfeiler ausgestattet wurde. In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts brannte das Gebäude ab und hinterließ eine dicke Brandschicht im Boden. Das Gebäude gehört in eine Zeit, als Creußen Witwensitz der Nürnberger Burggräfin Elisabeth war.
Die ca. 2 m breite Buckelquadermauer am Westende des Grabungsabschnittes stammt aus der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts und trug vermutlich einen Turm. Beim Bau der Mauer wurde älteres Baumaterial für die Fundamentlagen verwendet. Aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts wurden Hofpflasterungen beobachtet unter denen sich zwei weitere Mauern verbargen. Sie gehörten zuletzt zu einem Raum, der in der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts abbrannte. Dieser Raum hatte repräsentativen Charakter, da sich in ihm ein Fundamentstreifen befindet, der Säulen oder Pfeiler trug.

Bei der genauen Untersuchung der Ostmauer dieses Raumes wurde ein monolithisches Rundbogenfenster entdeckt und festgestellt, dass diese Mauer von einem älteren Gebäude des 10. oder frühen 11. Jahrhunderts stammt. Ein handtuchgroßer Mörtelstreifen unter den Mauern belegte sogar eine Vorgängerbebauung.

Die wissenschaftliche Bedeutung der bisherigen Grabungsergebnisse ist kaum zu überschätzen. Die lückenlose Abfolge hervorragend erhaltener Baubefunde aus spätottonischer bis in staufische Zeit ist in Nordbayern einzigartig. Ihre erstaunlich gute Erhaltung lässt darauf hoffen, dass bei einer Fortsetzung der Ausgrabungen grundlegende Erkenntnisse zur frühen Herrschaftsgeschichte Nordostbayerns gewonnen werden können.

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