St. Ägidiuskirche in Eckersdorf

St. Ägidiuskirche in Eckersdorf
St. Ägidiuskirche in Eckersdorf

Die St. Ägidiuskirche wurde im Jahre 1791/93 durch den Baumeister Carl Christien Riedel unter dem Patronat des preußischen Königs Friedrich Wilhelm II. erbaut.
Kanzel, Taufstein und Lesepult, gefertigt um 1670 von Johann Georg Brenk, stammen noch aus der ehemaligen Kirche, deren Altarraum unsere Kilianskapelle war.
Den Namen des Heiligen Ägidius trägt die Kirche wohl seit 1457. Die Brüder Hans und Gottfried von Plasenberg erwarben damals den Eckersdorfer Burgstall und weihten sowohl ihre Burg als auch die Kirche den Heiligen Ägidius.
Ägidius, verstorben 720, war Einsiedler in der Provence (Südostfrankreich) und Abt eines von ihm gegründeten Klosters.

Die Geschichte der Kirche:
Die Anfänge der Eckersdorfer Kirche und deren Alter liegen zwar im Dunkeln, weil uns darüber nur wenige urkundliche Aufzeichnungen bekannt sind. Dennoch lassen sich zumindest in der Folge einige Marksteine ihrer Geschichte nachzeichnen:
 Das wohl erste Gotteshaus - übrigens in unmmittelbarem Schlossbereich auf dem Bergsporn - war eine Schlosskapelle, die Kilianskapelle. Ihr tatsächliches Alter ist uns unbekannt, doch können einige begründete Aussagen dazu getroffen werden:
 Aufgrund ihrer Lage im Bereich des Schlosses und aufgrund des Kilianpatroziniums sowie des Kirchenpatronats im Allodialbesitz der Herren von Plassenberg - nachweislich erst 1487 dem Markgrafen zu Lehen aufgetragen - dürfte es sich bei der mittelalterlichen Kapelle um eine frühe Adelsgründung handeln, wahrscheinlich gebaut von edelfreien (?) Vorgängern der sich seit 1149 nach dem Ort nennenden Andechser Ministerialen "de Eckehartestorf". Vermutlich stammt also die Kilianskapelle aus jener Zeit, als unser Gebiet zum Einflussbereich der Würzburger Bischöfe gehörte, so dass ihre Entstehung weiter zurückreichen könnte als bis zum Jahr 1007, jenem Jahr, als das Bistum Bamberg gegründet wurde. In Urkunden aus dem Hochmittelalter begegnen uns immer wieder andechsische Ministeriale in Eckersdorf, so etwa 1149 ein "Udalricus de Eckerhartestorf", 1255 ein "Albertus de Ekkehartestorf" oder 1296 ein "Chunradus de Eckersdorf".
 Ab 1420 sind dann die Plassenberger hier nachweisbar. Denn in diesem Jahr erwerben sie in Eckersdorf Besitz und üben von da ab für gut 200 Jahre die Ortsherrschaft aus.

Der Ursprung:
Anfangs dürfte es in Eckersdorf nur diese eine Schlosskapelle gegeben haben, die besagte Kapelle St. Kilian. Noch in einer Urkunde von 1440 über das "Kurfürstlich- burggräfliche Kirchensystem" wird für das Amt Bayreuth, das damals zum Archidiakonat Kronach gehörte - das war einer der Kirchenbezirke der Diözese Bamberg - unter anderem auch Eckersdorf mit der Kapelle genannt. Die Eckersdorfer Kapelle war wie die Kapellen von Mistelgau, Stockau und Heilig Kreuz dem Bayreuther Pfarramt unterstellt, somit Filialkirche der Bayreuther Stadtpfarrkirche.
Dem widerspricht scheinbar eine noch ältere Urkunde, das Steuerregister des Bistums Bamberg von 1421, in dem für Eckersdorf ein plebanus (- Pfarrer) aufgeführt ist und wo Mistelgau als Filialkirche von Eckersdorf genannt wird. Dieses Verzeichnis wurde erstellt, als zur Begegnung der anzunehmenden Hussitengefahr eine Klerikersteuer erhoben wurde. Für Eckersdorf musste ein Gulden entrichtet werden. Weil aber ein Gulden die geringste aller hier genannten Abgaben für unsere Region darstellt, kann für diese Zeit nur von einer kleinen und armen Pfarrei in Eckersdorf ausgegangen werden. Und diese existierte bereits wenige Jahre später nicht mehr, nämlich 1430, als nach dem Hussiteneinfall als dessen Folge wieder eine Abgabe, die Hussitensteuer, zu entrichten war.
Da ist nämlich nicht mehr von einem Eckersdorfer Pfarrer die Rede, sondern nur noch von einem "Kapellanus von Eckersdorf". Eckersdorf hatte somit nach dem Hussitensturm keinen eigenen Pfarrer mehr, war jetzt selbst von einer anderen Pfarrei abhängig, nämlich von der Pfarrei Bayreuth, von wo aus ein Kaplan die Gemeinde versorgte.
 1457 ließen Gottfried und Hans von Plassenberg die durch den Hussiteneinfall stark in Mitleidenschaft gezogene Kapelle wieder in neuem Glanz erstrahlen, indem sie den Chor der Kilianskapelle renovierten, drei gotische Fenster in die Kapelle einbauten und diese mit gotischen Fresken ausmalten. Auf den Fresken ist unter anderem auch der heilige Ägidius dargestellt, für den die Plassenberger eine besondere Vorliebe hatten. Denn nach ihm, dem heiligen Ägidius, (Gilg - Ägidius), benannten sie ihren Eckersdorfer Adelssitz, das 1487 fertiggestellte Schloss, das St. Gilgenberg hieß. Anzunehmen ist, dass die Plassenberger vermutlich mit dem Bau des Schlosses und dem Übergang zu markgräflichem Lehen nicht nur den Eckersdorfer Burgstall, sondern gleichzeitig auch die Kirche dem Ägidius weihten.

Veränderung bis heute:
Mit dem Einzug der Reformation in unsere Gegend entstand dann aus der ehemaligen Schlosskapelle das zweite Gotteshaus. 1526 war es Lorenz von Plassenberg, der damalige Besitzer des Rittergutes, der an die Kapelle ein Kirchenschiff anbaute, wobei er die ursprüngliche Kapelle als Altarraum weiter bestehen ließ. Die entstandene Kirche wurde so endgültig zur ordentlichen Pfarrkirche. In der Folgezeit kam es zu einer Reihe weiterer Veränderungen:
1673 ließ Christian Sigmund von Lüchau, inzwischen Kirchenpatron von Eckersdorf, den alten Taufstein abreißen und durch einen neuen ersetzen, der noch heute in Gebrauch ist.
1677 gab er den Auftrag, eine neue Kanzel anzufertigen.
 Und 1694 ließ Susanna Margaretha von Lüchau, seine Gemahlin und inzwischen als Witwe die Kirchenpatronin, auf der Kapelle den Kirchturm errichten, der dann am 21. September 1695, dem Freitag vor Michaelis, fertig wurde.

Das dritte Gotteshaus, die St.-Ägidius- Kirche wie wir sie heute vorfinden, entstand unter preußischer Herrschaft nach den Plänen des Baumeisters Carl Christian Riedel. Damals wurde die bisherige und inzwischen "äußerst baufällig" gewordene Kirche instand gesetzt und vergrößert. Ein besonderes Schmuckstück stellt die vom ehemaligen markgräflichen Hofstukkator Adam Rudolph Albini gefertigte Stuckdecke dar.
1793 war der Aus- und Umbau der Kirche schließlich vollendet. Jahreszahl und preußisches Wappen über dem Kanzelaltar erinnern noch heute daran. Im Zuge des Kirchbaus wurde auch die Orgel repariert, die noch bis 1867 ihren Dienst tat, bis sie durch eine neue, vom Orgelbauer Weineck aus Bayreuth gefertigte, ersetzt wurde. Die jetzige Orgel stammt von der Firma Hoffmann aus Ostheim v.d.Rhön aus dem Jahre 1974.
Von 1983 bis 1987 wurde die Kilianskapelle restauriert. damit ging ein alter Wunsch aus den 20er Jahren endlich in Erfüllung, der wegen fehlender Finanzen jedoch immer wieder zurückgestellt werden musste. Jetzt endlich konnten die gotischen Fresken aus dem Jahre 1457 freigelegt werden. Zu ihrem 200. Geburtstag wurde die St.-Ägidius-Kirche renoviert, was aber nach dem Kirchenbrand des Jahres 2000 noch einmal 2001 geschehen musste.

Kirche St.Ägidius
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