Die Kirchburg von Effeltrich

Die Friedhofsburg, auch Kirchenfestung oder Kirchenburg genannt, erhebt sich inmitten des unteren Dorfes, das von ihrer Eindringlichkeit und Wucht vollkommen beherrscht wird. Von der Linde her erblickt man vor sich die kräftigen Mauern mit ihren Türmen, wie sie in alles überragender Weise in die Höhe streben. In ihrer Gesamtanlage bildet die Effeltricher Friedhofsburg ein Fünfeck, das mit fünf Türmen bewehrt ist. Drei Rundtürme und der Torturm sind noch gut erhalten, während von einem großen Viereckturm an der Südwestseite nur noch die Grundmauern vorhanden waren.
Leider war der südwestliche Viereckturm zerstört und es liegt völlig im Dunkel, wie lange er verfallen war und was der Grund der Zerstörung war. Unter Anweisung des Amtes für Denkmalpflege wurde er 1962 aufgebaut und ist ein würdiger Raum für das noch fehlende Leichenhaus.
Bevor ein Besucher den Friedhof betritt, bemerkt er über dem breiten Eingangstor drei wertvolle gotische Holzplastiken, die früher den alten Hochaltar zierten: die Heiligen Sebastian, Georg und Laurentinus. Alle drei Figuren stammen aus der Werkstatt des berühmten Meisters Nußbaum. Ein mit Krabben und Fialen geschmückter Erker birgt den Kirchenpatron St. Georg (im frühen 16. Jahrhundert geschnitzt).
Geim Georgsritt wird dieses Reiterstandbild von jungen Männern in Effeltricher Tracht mitgeführt.

Die Errichtung der Wehranlage
Die Geschichte der Friedhofsburgen geht fast bis ins Dunkel germanischer Frühgeschichte zurück, als das Volk in Zeiten der Not hinter Ringwällen und in Fliehburgen (z.B. Hetzleser Berg und Ehrenburg) Schutz suchte.
Die Blütezeit für die Friedhofsburgen fällt in das 15. und 16. Jahrhundert, als der lebenskräftige Bauernstand gezwungen war, sich mit Wehr und Waffen zu versehen.
Es wäre denkbar, daß Effeltrich auch unter den Einfällen der Hussiten in das fränkische Land zu leiden hatte (um 1420). Sicher ist jedoch, daß Effeltrich im sogenannten markgräflichen Krieg (1552) arg mitgenommen wurde. Damals kämpften die Fürsten gegen die Städte.
Die Effeltricher Friedhofsfestung dürfte gegen Ende des 15. Jahrhunderts entstanden sein. Die dabei aufgewendete Mühe machte sich schon in dem bereits erwähnten Markgrafenkrieg von 1552 bezahlt. Markgraf Albrecht Alcibades von Brandenburg-Kulmbach überrumpelte und plünderte die Stadt Forchheim, Effeltrich aber äscherte er ein. Wahrscheinlich hat ihm die Friedhofsburg entsprechend Trutz geboten, denn am Mauerwerk sind keine Brandspuren zu entdecken. So mag er aus Rache über die geringe Beute seinen Zorn an den Bauernhäusern ausgelassen haben.
Auch der Dreißigjährige Krieg hat Effeltrich, das an der Heerstraße Forchheim - Oberpfalz lag, nicht verschont; im Laufe der Jahre wurde dem Dorfe übel mitgespielt. Im Jahre 1591 hatte Effeltrich bereits 73 Herdstätten aufzuweisen, während deren Zahl noch zwei Jahrhunderte später (1799) kaum angewachsen war.
Wir können zusammenfassend sagen, daß Effeltrich besonders unter dem räuberischen Markgrafen Albrecht Alcibiades, aber ebensosehr durch die Pest und endlich im Dreißigjährigen Krieg am ärgsten zu leiden hatte.
Als später diese Schutz- und Trutzanlagen den modernen Waffen keinen ernstlichen Widerstand mehr zu bieten vermochten, wurden die Mauern zum Teil abgebrochen.

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