Die Kapelle von Effeltrich

Kapelle von Effeltrich
Kapelle von Effeltrich

In den Geschäftsbüchern des alten Handelshauses der Holzschuher in Nürnberg finden wir u.a. eine Eintragung aus dem Jahre 1304, in der neben anderen Kunden auch die Familie des Burgherrn von Sandreuth aus Effeltrich genannt wird. Aller Wahrscheinlichkeit nach stand seine Burg auf dem etwas erhöhten Platze der jetzigen Kirche. Demnach wäre wohl die Burgkapelle als Vorläufer unserer Kirche zu betrachten.
Im Jahre 1433 wird die Kapelle von Effeltrich auch urkundlich erwähnt. Ihr ältester Teil mit dem Wehrturm hatte die Länge des jetzigen Kirchenschiffes und reichte vom Westportal bis zum heutigen Marienaltar. Es fällt uns auf, daß der Turm nicht in Ortsrichtung steht. Ein vermauertes Pförtchen an der Südwestseite des Kirchturmes gibt uns davon Kunde, daß ehedem vom Wehrgang aus ein Verbindungssteg herüber zum ersten Stock des Turmes vorhanden war. Dieser Turm vertrat die Stelle des Burgfriedes und hatte daher von ebener Erde aus keinen Zugang zu seinen oberen Stockwerken. Es sind auch noch Ansatzspuren eines Ziegeldaches festzustellen, mit dem der Steg überdeckt war.
Die Kirche bekam ihre heutige Gestalt um das Jahr 1450, als gegen Osten zu, der mächtige Chor angebaut wurde. Die im gotischen Stil errichtete Kirche mit 32 Meter Länge und 9 Meter Breite zeigt im Inneren mehrere andere Stilrichtungen.
Beim Betreten der Kirche fällt der majestätisch aufragende Barock-Hochaltar (1720/30) ins Auge. Er will uns das Ziel unseres Lebens zeigen. In den Bänken versammelt sich das Volk Gottes, das noch unterwegs ist. Auf dem Altar ist das Brot des Lebens zu sehen, das als Wegzehrung dient. Im spätbarocken Tabernakel wird es aufbewahrt. In der nächst höheren Ebene sehen wir eine Gruppe von Märtyrern, Männer und Frauen, die in der Blüte ihres Lebens wegen ihres Glaubens an Christus getötet wurden: Laurentius mit dem Rost, Barbara mit dem Kelch, Margareta mit der Siegespalme und Sebastian mit den Pfeilen. Das Altarbild gibt den symbolischen Drachenkampf des hl. Märtyrers Georg wieder. Diese vorbildlichen Christen sind unsere Fürsprecher bei Gott. Ganz oben ist die himmliche Glorie dargestellt mit der Hl. Dreifaltigkeit, der Krönung Mariens und der Anbetung der Engel. In dieser Gemeinschaft Gottes sind die Menschen durch die Taufe berufen.
Im Chorraum sehen wir den gotischen Taufstein mit dem herrlich gearbeiteten Maßwerk (Zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts). Ober dem Taufstein hängt ein edel gearbeitetes Kreuz (nach 1500) und erinnert an die Erlösung durch Jesus Christus.
Der spätgotische Chor ist mit einem feinen Netzgewölbe verziert. Bei der letzten Renovierung wurden in den Feldern Fresken unter hohem Kostenaufwand freigelegt. Auf der rechten Seite sehen wir den Kirchenlehrer Augustinus, auf der linken Seite den Kirchenlehrer Ambrosius.
An den rechten Chorbogen schmiegt sich eine wunderbar gearbeitete Rokokokanzel, die im Jahre 1759 aufgestellt wurde. Das Chorgestühl stammt aus dem 16. (links) und 18. (rechts) Jahrhundert.
Die barocken Seitenaltäre wurden Ende des 19. Jahrhunderts durch neugotische Aufbauten ersetzt. Als diese wieder entfernt wurden, bekam der linke Altar das Aussehen eines Flügelaltars. Die heute dort stehenden drei Figuren der hl. Muttergottes, hl. Barbara und hl. Katharina stammen ja aus einem alten Flügelaltar (um 1500). Der rechte Seitenaltar zeigt als spätgotisches Vesperbild die schmerzhafte Muttergottes nach der Kreuzabnahme. Die Standbilder des guten Hirten Wendelin (gestiftet von Poxdorf), des hl. Georg als Ritter zu Fuß, der hl. Mutter Anna und der Bischöfe Blasius und Otto verdienen erwähnt zu werden. Das geräumige Kirchenschiff wird hoch oben von einer anmutigen Rokokodecke abgeschlossen.
Der beim rückwärtigen Kirchentor angebaute Ölberg wurde im Jahre 1520 von einem Künstler namens Nußbaum geschaffen, aus dessen Hand auch der Ölberg an der Stadtpfarrkirche zu Forchheim stammt.

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