Turmuhrenmuseum Gräfenberg

1832 kam Christoph Ephraim Rammensee (bereits in fünfter Generation Uhrmacher) nach Gräfenberg. Christoph (geb. 22.4.1808 gest. 2.3.1876) hatte das Handwerk des Uhrmachers in Helmbrechts von seinem Vater erlernt. Sein Lehrzeugnis wurde in Hof ausgestellt. Danach (1828) mußte er wie damals alle Handwerker, auf die Walz. Dieses kleine Walzbüchlein ist noch vorhanden, es zeigt unter anderem die Stationen Gräfenberg und Gunzenhausen auf. In Gräfenberg lernte er seine spätere Frau Anna geb. Richter, eine Tuchmacherstochter, kennen. Eine Uhrkunde des Magistrats Gräfenbergs zeigt, das er sich als Handwerker in Gräfenberg eingekauft hat um sich als Kleinuhrmacher niederzulassen, dies ist auf 1832 datiert. In der Häuserchronik (Ausgabe 2000 von Gerhard Gundelfinger) von Gräfenberg ist vermerkt, das er zuerst die hintere Hälfte des Anwesens Kirchplatz 1 in Gräfenberg kaufte.

Um 1840 erwarb er dann auch die zweite Hälfte des Hauses. 1837 gibt es dann bereits einen Nachweis das er in Beerbach (heute ein Ortsteil von Lauf/Pegnitz) die Großuhr in der Kirche reparierte. Er schuf sich ein zweites Standbein, eben die Großuhrmacherei. Die älteste bekannte Rammensee Turmuhr stammt aus dem Jahr 1875, sie muß bereits mit seinem Sohn Georg Rammensee (geb. 9.1.1852 gest. 7.2.1939) gebaut worden sein, diese ist im "Gerbers Stodl" ausgestellt. Mit seinen beiden Söhnen Carl (geb. 2.11.1879 gest. 3.5.1962) und Hans (geb. 7.9.1881 gest. 17.6.1964) hat er dann am Bahnhof in Gräfenberg um 1895-1907 angefangen eine Großuhrenfabrik zu errichten. Carl und Hans heirateten zwei Schwestern aus Leonberg, Eugenie und Amalie geb. Leo, Posthaltertöchter, durch deren Mitgift das Vorhaben Turmuhrenfabrik überhaupt vollendet werden konnte. Laut Aussage der noch Lebenden waren bis zu 30 Mann in dieser beschäftigt.

1933 schied Hans, der Techniker aus der Firma aus. Carl, mein Großvater war mehr der Kaufmann, sein Sohn Eugen geb.19.6.1908, legte 1929 in Furtwangen die Meister und Technikerprüfung mit Erfolg ab, er übernahm in Zukunft die technische Leitung. Die Zeiten waren im allgemeinen aber schwierig. Personell wurde ständig reduziert, die Geschäfte liefen schlecht. 1939 mußte auch mein Vater in den Krieg. 1945 am 28. April wurde er in Potsdam/Eiche vermißt gemeldet. Nach dem Krieg machte dann mein Großvater noch bis 1954 weiter, mit 75 hoch im Alter konnte er der neuen Zeit nicht mehr so folgen, aber nicht nur sein hohes Alter nein auch die gute alte Mechanik hatte ausgedient, was folgte war, die Elektronik. Sie hielt auch in den Türmen Einzug. Sein letzter Versuch die Fabrik zu erhalten scheiterte, so dass diese 1957 endgültig geschlossen und verkauft wurde. Das gesamte geistige Gut wurde zerstört, dadurch kann heute fast nichts mehr dokumentiert werden.

Im Jahre 1980 kam ein Mann Namens Hans Peter Kuban aus Stuttgart zu mir, dessen Leidenschaft es ist den geistigen Nachlaß der Uhrenhersteller zu sammeln, zu erforschen und diese zu archivieren um es der Nachwelt zu erhalten. Zu diesem Zeitpunkt wußte ich wenig über meine Vorfahren und deren Arbeit. Er wußte viel mehr als ich, er konnte mir aus der Korrespondenz der Fa. Rammensee mit anderen Turmuhrenherstellern, viel mehr über meine Familie sagen als ich wußte. Einerseits erfreulich, mehr zu erfahren, andererseits beschämend, daß anderer mehr über die Familie wußten als ich selbst. Damit begann dann meine Sammelleidenschaft und meine Nachforschungen. 22 Jahre sind seit dem vergangen, das Ergebnis dieser Zeit kann man heute in meiner privaten Ausstellung besichtigen. Nicht nur Rammensee Uhren kann man begutachten, auch andere Hersteller Uhren, sowie den Fortschritt der Mechanik aus 3. Jahrhunderten. Ein großes Rammensee-Werk wurde komplett in einen Turm installiert. Es treibt noch heute ein Ziffernblatt an und schlägt jede Viertelstunde.

Öffnungszeiten:
Sonntag von April bis Oktober von 14.00 - 18.00, nach Absprache können aber auch andere Zeiten vereinbaren.

Auskünfte über Öffnungszeiten und Anmeldung für Führungen können Sie unter der Telefonnummer 09192/8266 erfragen.

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