Historischer Altstadtrundgang in Gräfenberg

Historischer Altstadtrundgang (Altstadtfreunde Gräfenberg e.V.)

Wir beginnen unseren Rundgang beim Rathaus an der Nordseite des Marktplatzes. Der 1697 als Bürgerhaus errichtete Bau mit Erker und barocker Bemalung dient erst seit 1871 als Rathaus. Damals wurde das in der Mitte des Platzes stehende baufällige alte Rathaus abgebrochen. Sehenswert die Wendeltreppe mit Wigaloisfenster sowie die Ratszimmer im 1. Stock mit Porträts vieler Bürgermeister und Ratsherren und Wappentafeln der Landpfleger der Reichsstadt Nürnberg und der Gräfenberger Pfleger (Besichtigung nach Voranmeldung bei der Stadtverwaltung)!

Den kleinen Marktbrunnen von 1989 schmückt eine Bronzesäule von Bildhauer Harro Frey mit einem Hahn, der die Partnerschaft Gräfenbergs mit der französischen Stadt Pringy in Hoch-Savoyen symbolisiert.

Nach Norden schließt das Egloffsteiner Tor den Marktplatz ab, eines der drei erhaltenen Tore der mittelalterlichen Stadtbefestigung.

Auf dem Gang zum südlichen Ende des Platzes und zum großen Marktbrunnen, der bis zum Bau der Wasserleitung 1898 die Wasserversorgung für Bürger und Vieh sicherstellte, lassen wir das Ensemble des fränkischen Kleinstadtplatzes auf uns wirken. Seit der Erlangung der Marktrechte im Jahr 1333 schlägt hier das wirtschaftliche Herz der Stadt. Noch heute finden Jahr- und Wochenmärkte statt. Und bei Kirchweih (1. Augustsonntag) und Altstadtfest (alle fünf Jahre) ist er der ideale Festplatz. Die Ritterfigur auf der Brunnensäule blickt auf ein Haus an der Südseite des Platzes mit einer Bemalung, die Kunstmaler Georg Prell aus Hiltpoltstein 1927 schuf und Gerd Backer aus Gräfenberg 1985 erneuerte. Sie zeigt eine Kampfszene aus dem mittelhochdeutschen Epos "Wigalois, der Ritter mit dem Rade", das der Gräfenberger Adelsspross Wirnt von Gravenberc, ein Zeitgenosse Wolframs von Eschenbach, um das Jahr 1200 schrieb. In 11.700 Versen wird die abenteuerreiche Suche eines Wigalois genannten jungen Ritters nach seinem verschollenen Vater Gawein geschildert. Am Hof des König Artus findet er ihn glücklich wieder. Lange Zeit hielt man das bemalte Haus für die Geburtsstätte des Dichters, Beweise dafür fehlen jedoch.

Auf eine weitere Besonderheit aus Gräfenbergs Geschichte weist die ebenfalls von G. Prell geschaffene Bemalung des ehemaligen Hotels "Alte Post" hin: Die Stadtkapelle hat zu Ehren des damals im Gasthof einquartierten preußischen Generals Franz Friedrich von Mecklenburg-Schwerin ein Ständchen gespielt und sammelt die als Dank ausgeworfenen Süßigkeiten vom Boden auf. In der Nacht zuvor, vom 30. zum 31. Juli 1866, hatte der General mit dem bayerischen Oberst Roth im Hotel einen Waffenstillstand für den fränkischen Kriegsschauplatz vereinbart, wodurch der deutsche Bruderkrieg zwischen dem von Preußen angeführten Norddeutschen Bund und Österreich, auf dessen Seite Bayern kämpfte, in unserem Raum beendet wurde.

Wir verlassen nun den Marktplatz in westliche Richtung und gehen auf ein schmuckes Fachwerkhaus mit der Jahreszahl 1669 über der Haustür zu. Zwischen diesem und dem auf der anderen Straßenseite stehenden Zollhäuschen erstreckte sich einst das sog. Badtor, das 1831 als "Verkehrshindernis" abgebrochen wurde. Das Zollhäuschen war Teil dieses Tores. Erst 1906 wurde das Haus links (heute Metzgerei) im ehemaligen Stadtgraben über dem Bach neben der "Badbrücke" (Standort) errichtet. Das alte Gasthaus "Grüner Baum" befand sich bereits außerhalb der schützenden Stadtmauer. Die nach rechts abzweigende Straße "Am Bach" führt zum Museum der Brauerei Brehmer und zum Turmuhrenmuseum Rammensee in der "Kasberger Straße", welche beide einen Besuch nach Vereinbarung lohnen.

Unser Rundgang folgt der nach links abbiegenden Bahnhofstraße, wo wir nach einer Gastwirtschaft auf das ehemalige Kommunbrauhaus treffen. Seit 1628 wurde hier bis vor etwa 50 Jahren von berechtigten Bürgern im Wechsel der begehrte Gerstensaft gebraut, heute wird das geschichtsträchtige Gebäude als Büro- und Wohnhaus unter weitgehender Erhaltung der alten Substanz genutzt. Das Handwerkerhaus auf der gegenüberliegenden Straßenseite neben dem "Kräußel-Brunnen" birgt in seinem Anbau von 1917 eine traditionelle mechanische Werkstatt. Besichtigung und Vorführungen sind nach Voranmeldung bei den Altstadtfreunden möglich.

Unmittelbar neben dem Kommunbrauhaus steht das stattliche ehemalige Malzdörrhaus, wo die wichtigen Rohstoffe fürs Brauen, Hopfen und Malz, gelagert bzw. hergestellt wurden. Das Haus wurde im Jahr 1607 auf dem ehemaligen "Burgstall" errichtet, den Resten der ersten Burganlage in Gräfenberg, die sich zwischen heutiger Bahnhofstraße und dem Bacheinschnitt der Kalkach bis zur Obermühle erstreckte.

Die Obermühle war bis vor einigen Jahrzehnten eine der drei von der Kalkach betriebenen Gräfenberger Mühlen. Zwischen dem Stall und dem nördlichen Nachbarhaus kann man einen Blick in den Stadtgraben mit der mächtigen westlichen Stadtmauer (1998 restauriert) werfen.

Gehen wir die Bahnhofstraße weiter abwärts, sehen wir rechts das Anwesen Bahnhofstraße 32. Von der dort abzweigenden Privatstraße "Am Pinsel" aus kann man einen Blick auf den Wasserfall werfen, den hier die Kalkach hinabstürzt. Am Pfingstmontag des Jahres 1778 wurde Gräfenberg nach einem Wolkenbruch schwer geschädigt. Die Wassermassen zerstörten Häuser und rissen sieben Menschen und viel Vieh in den Tod. Allein in diesem Haus am Wasserfall starben drei Personen.

Wir folgen nun der Straße "Am Gesteiger" bergaufwärts und gelangen durch das Gesteigertor wieder in die Altstadt.

Das stattliche 1732 errichtete "Bürgerhaus" links am Kirchplatz war bis in die sechziger Jahre Schulhaus. Heute befinden sich Grund-, Haupt- und Realschule in modernen Bauten auf der Hochfläche im Neubaugebiet westlich der Altstadt.

Wir überqueren den Kirchplatz Richtung Stadtpfarrkirche. Nach der Apotheke mit Fassadenbemalung sehen wir das große Gebäude
der Verwaltungsgemeinschaft Gräfenberg, das ehemalige Schloss der Nürnberger Pfleger.

Vorbei am 1821 erbauten Sandsteingebäude des ev.-luth. Gemeindehauses gelangen wir auf den Platz vor dem Kirchenportal.
Das idyllische Plätzchen gibt den Rahmen für Freilichtbühnen-Aufführungen im Sommer und für den Weihnachtsmarkt am dritten
Advent. Die Kirche ist meist für Besucher offen. Ein Blatt mit Erklärungen liegt auf.

Durch das Tor im Osten des Platzes betreten wir den Friedhof. Wir verlassen ihn links durch das Nordtor und stehen nach wenigen 19 Schritten vor dem Hiltpoltsteiner Tor.

Das erste Haus links in der Stadt, das Zugang zum Tor bietet, ist das ehemalige Mesnerhaus, das von 1838 bis 1859 auch als Schulgebäude diente.

Die Bayreuther Straße führt uns in westlicher Richtung zum Marktplatz zurück, vorbei am schönen Fachwerkhaus des ehemaligen Pfarrhofs.

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