Stadtrundgang

Als Ausgangspunkt für einen sehenswerten Rundgang durch die historisch wertvolle Stadt Hollfeld empfiehlt sich die Oberstadt/Marienplatz: Marienplatz, Steinweg, Kirchenbezirk, Unterer Markt, Spitalplatz, St. Salvator, Eiergasse, Türkei und durch das Bergschuster-Tor zurück in die Oberstadt.
Am höchsten Punkt der Stadt steht das mittelalterliche Obere Tor, ehemals ein Brückenturm mit einer Schlagbrücke über dem tiefen Graben. Das Tor ist im Ausbau einer wehrhaften Stadtbefestigung um 1300 entstanden. Im 19.Jahrhundert diente es auch als Herberge für wandernde Zunftgenossen bzw. Handwerksburschen. Gegenüber befindet sich das ehemalige Scheunenviertel, das sich wegen der Feuergefahr immer außerhalb der Stadtmauer befand. Dahinter ist das jetzige Schul- und Sportzentrum mit Hallenbad.

Vom Oberen Tor in Richtung Marienplatz steht die barocke Nepomuk-Kapelle von 1734, versehen mit einem Häfner-Wappen und einer Henkelvase mit Blumen im Sockelaufbau, gestiftet vom Häfner (frühere Bezeichnung für Töpfer) Georg Reis. Rechts von der Kapelle befindet sich ein großes Barockgebäude, das ehemalige Amtsgericht (1959 aufgelöst), das als ehemaliges fürstbischöfliches Amtshaus 1734 von M. Küchel erbaut wurde. Im Mittelalter diente ein Vorgängerbau als Zeughaus der Hollfelder Bürgerwehr.

Am Marienplatz befindet sich das Benefiziatenhaus von 1748, in dem um 1900 die Bürgertöchter in der Christen-Lehre unterrichtet wurden. Die Oberstadt/Marienplatz trägt den frühmittelalterlichen Charakter einer Bürger- und Bergstadt, sowie die Struktur einer Spornsiedlung. Die einfassenden Häuserreihen bestehen aus giebelständigen und traufseitigen Häusern. Durch die 1929 angelegte Kastanienallee und die Grünanlagen hat der Marienplatz heute ein gepflegtes Aussehen. Jahrhundertelang wurden auf diesem Platz die Vieh- und Jahrmärkte, die für Hollfeld und sein Umland von großer wirtschaftlicher Bedeutung waren, abgehalten. Auch heute noch werden auf diesem Platz regelmäßig Märkte abgehalten.

Ein besonders schönes Fachwerk von 1727 schmückt das Haus Nr. 14. Hinter den meisten verputzten Fassaden verbergen sich noch wunderschöne Schmuckfachwerke. An der höchsten Stelle der noch rundum befestigten Oberen Stadt steht das Wahrzeichen von Hollfeld – die Gangolfskirche. Sie stammt noch aus der Zeit der Walpoten, den ältesten Herren von Hollfeld. Genannt wird die Gangolfskirche erst 1309, der Ursprung dürfte jedoch bereits im 11.Jahrhundert liegen.

Der 38 m hohe Wehrturm lässt sich heute noch mit 104 Treppen besteigen. Er diente seit ältester Zeit als Wächterturm und –wohnung, noch mit einem seltenen Wehrgang mit Holzkranzgesims, darauf ein Zeltdach mit Laterne. Von der romanischen Kapelle hat sich noch die Apsis erhalten. In dem Turm ist das Hollfelder Irrglöckchen untergebracht. Vor langer Zeit verirrten sich in den dichten Wäldern die Töchter des Vogtes. In der Nacht hörten sie ein Glöckchen läuten und liefen darauf zu und fanden wieder heim. Aus Dank spendete der Vogt ein Glöckchen, das auch heute noch als Irrglöckchen bezeichnet und um 21.45 Uhr geläutet wird. Ab Mai 2001 wird die sanierte Gangolfskirche als Kulturzentrum genutzt. Hier sollen viele interessante Veranstaltungen stattfinden.

Unterhalb der St. Gangolfskirche, am steilen Gangolfsberg, ist ein Kreuzträger von 1728, vom Bäckermeister und späterem Bürgermeister Sebastian Schmötzer errichtet. Gegenüber von St. Gangolf, am Marienplatz steht das frühere Probsthaus. Von 1059 – 1803 war Hollfeld Sitz eines bambergischen Ober- und eines Vogtamtes. Das zweigeschossige Gebäude war früher Fronfeste und Gefängnis. 1434 als Prozesshaus und Vogthaus genannt.
In der Mitte des Marienplatzes liegt der 38 m tiefe mittelalterliche Ziehbrunnen, erwähnt 1435 als Beyerbrunnen. Der Sage nach wurde er vor urdenklichen Zeiten von Kriegsgefangenen gegraben.

Später wurde er zugeschüttet und ist erst 1936 in seiner jetzigen Form wieder aufgebaut worden. Das alte Rathaus, 1424 genannt, entstand in seiner jetzigen Form nach dem großen Stadtbrand von 1724. Im Mittelalter als Fleisch- und Kaufhaus mit Kramläden ebenso Kaufhaus mit Saalgericht bezeichnet. Das dreigeschossige Giebelhaus zeigt das Stadtwappen und das Wappen des Fürstbischof von Würzburg und Bamberg Friedrich von Seinsheim, 1769 datiert. Es wurde 1883 teilweise als Schulgebäude umgeändert, 1929 gründlich renoviert und bis 1796 datiert. Es wurde 1883 teilweise als Schulgebäude umgeändert, 1929 gründlich renoviert und bis 1958 als Volksschule genutzt. Seit 1987 ist hier der Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Hollfeld, Aufseß und Plankenfels.

Unmittelbar daneben steht das Wittauerhaus, das im Gebäudeinneren seltene fischgrätenartige Stulpdecken, Fachwerkwände, Schablonenmalerei u.a. Besonderheiten zeigt. Heute sind hier die Musikschule, die Tourist-Info und Ausstellungen untergebracht. Zwischen dem Oberen Markt (Marienplatz) und dem Kirchenzentrum verläuft parallel die Judengasse. 1298 ist auch ein jüdisches Bad genannt. In dieser Gasse soll nach alten Überlieferungen die Judensynagoge gestanden haben. In der Judengasse 10 ist die Museumsscheune untergebracht. Sie ist an jedem Wochenende zwischen Mai und Oktober geöffnet. Sie bietet Zeugnisse einer langen Tradition der Landwirtschaft und des Handwerkes der Juralandschaft, Trachten und vor- und frühgeschichtliche Funde.

Die Stadtpfarrkirche Maria Himmelfahrt steht auf dem vermuteten Platz des mittelalterlichen Reihengräberfriedhofes von Alt Hollfeld. Bereits 1168 ist Hollfeld Oberpfarrei und Sitz eines erweiterten Archidiakonats, zu dem Ende des 14.Jahrhunderts 47 Pfarreien gehörten. Die gotische Kirche wurde 1776 aufgrund von Kriegsschäden (1632) und dem großen Stadtbrand (1724) abgebrochen und ab 1778/82 in Ihrer heutigen Form von J. Vogel, Bamberg aufgebaut.

Am Eingang des Portalturmes das Wappen von Fürstbischof Franz Ludwig von Erthal; an den Seitennischen Steinfiguren vom Kaiser Heinrich und seiner Frau Kunigunde, den Gründern des Bistums Bamberg, von 1780 von B. Kamm. Im Kircheninnern ist eine kostbare Rokokoausstattung von 1765 die für die Bamberger Dominikanerkirche geschaffen wurde. Am Hochaltar – Altarbild Maria Himmelfahrt und Dreifaltigkeit, nazarenischer Malstil um 1800. Die Beichtstühle sind Prachtstücke mit Muschelwerkdekoration von Hollfelder Schreinern. Hochaltar, 2 große Seitenaltäre und Kanzel wurden 1804 aus der säkularisieten Dominikanerkirche Bamberg erworben. Die Chor-Kirchenfenster (um 1880) stellen die Verkündigung, die Taufe im Jordan und das Himmelsgericht dar (weitere Angaben siehe Kirchenführer: "Kirchen in Hollfeld").

Vor dem Pfarrhof befindet sich ein mittelalterlicher Ziehbrunnen mit einer Tiefe von 29 m, gegenüber das Kriegerdenkmal von 1930. Haus Steinweg 17 - ein zweigeschossiger Satteldachbau. Einmalig ist die älteste Schieferschablonenmalerei Süddeutschlands von 1725. Den abschüssigen, gepflasterten Steinweg hinunter erreichen wir den Unteren Markt mit seinem rechteckigen Grundriß, 1495 Alter Markt. Die untere Stadt ist entlang der mittelalterlichen Verkehrswege entstanden und übt eine wichtige wirtschaftliche Funktion des Handels und Handwerks für die Stadt auch noch heute aus.

Das Haus Nr. 4 zeigt in einer Fassadennische eine Pieta-Figur aus dem 18. Jahrhundert. Ein Bäcker-Hauswappen zeigt das Haus Nr. 8. Unter Verputz verborgen, liegt wie bei vielen Bürgerhäusern, Fachwerk. Der Spitalplatz liegt unmittelbar an der Kainach und ist im Spätmittelalter im Zusammenhang mit dem Spitalbau und der Spitalstiftung entstanden. Das Spital ist eine Stiftung aus dem Jahre 1464 vom Regenburger Domherren Werner v. Aufseß zur Aufnahme, Beherbergung und Verpflegung armer, gebrechlicher Personen, jeweils bis zu 12 Personen beiderlei Geschlechts. 1467 wurde das Spitalbenefizium Bartholomeum von Hermann von Aufseß gestiftet. Aufgrund dieser Stiftung wird auch heute noch jeden Mittwoch eine Messe abgehalten. Das heutige Spital wurde 1664 erbaut.

Die 1709 errichtete Kapelle zeigt im Innern eine barocke Kreuzgruppe, eine gotische Madonna, den hl. Otto u.a. Nachdem die Pfründner 1933 auszogen, wurde das Spital als Kinderbewahranstalt bis zur Fertigstellung des neuen Kindergartens beim Schulzentrum in Jahre 1976 genutzt. An der Kainachbrücke eine Steinplastik des hl. Nepomuk, Modeheiliger der Barockzeit von Bernhard Kamm, Bamberg. Etwas außerhalb, Richtung Plankenfels, die bekannte Wallfahrtskirche St. Salvator, 1704 an der Stelle von Vorgänger- Kirchen und mittelalterlicher Feldkirche erbaut. Sie besteht aus einem Saalbau mit eingezogenen Chor- und Dachreitern von Joh. Leonh.
Dientzenhofer, auf Fundamenten der älteren Kirche erbaut. Eine Bautafel mit einer gotischen Minuskelumschrift erbrachte: Im Namen des Herrn, unseres Retters, 1428 wurde dies Werk begonnen auf Grund eines Gelübdes der Verehrung des Salvator. Die vorhandenen wundertätigen Kultbilder zeigen: Salvator – Jesus Christus, Krönung Mariens, Kreuzträgergruppe, Christusporträt mit dem Lentulusbrief und andere. Genauere Angaben über die sehr wertvolle Innenausstattung von der Hollfelder Schreiner- und Bildschnitzerfamilie Lauter stehen im Führer: "Kirchen in Hollfeld"!

Auf der Südseite im Friedhof ein Steinkreuz von 1890 mit wichtigem neugotischem Sockelaufbau von Ph. Dorsch. Erst 1793 ist unser heutiger Friedhof an die St.Salvatorkirche angegliedert worden. Der eigentliche Alte Friedhof von Hollfeld war seit ältester Zeit um die Stadtpfarrkirche Maria Himmelfahrt. Hinter dem Friedhof ist das ehemalige Lockgebäude der Eisenbahnlinie Bayreuth Hollfeld von 1904 – 1976.

Auf dem Weg zurück in die Stadt, kurz vor der Kainachbrücke, kommt man in die Eiergasse, 1417 erwähnt. In der Eiergasse finden Sie das ehemaligen Brauhaus, jetzt mit Ateliers für Kunst und Handwerk, das Künstlerstadl und das Kunst & Museum. An den letzten Scheunen vorbei, erkennen wir im Hintergrund die einmalige Kulisse der Oberen Stadt: Stadtmauer, Stadtpfarrkirche, Bürgerhäuser, Rathaus und St. Gangolf. Weiter in der Eiergasse entlang, gelangt man an die ehem. Brauerei Appel, heute ein Ideenhaus für Künstler, auf der rechten Seite das KünstlerStadl und gegenüber das Kunst & Museum, vorbei. Oberhalb des Steges und der Kainach sehen Sie auf einer Dolomitfelsgruppe das "Kauperskreuz".

Am alten städtischen Elektrizitätswerk (um 1920) geht es zur "Fischmühle", eines der schönsten Alt-Hollfelder-Fachwerkhäuser von 1715, das erst 1936 freigelegt wurde. Das Gebäude ist außen wie innen noch bestens erhalten. Am Giebel befindet sich ein gut erkennbares Müllerzunft- und Braurechtszeichen. Direkt an der Ecke zur Langgasse, steht ein mächtiges zweigeschossiges Traufseithaus, der Alte Probsthof, heute "Kaupershof" mit der ältesten heute noch nachweisbaren Familie Hofmann – 1326 Haintzlein Hofmann. Die Kaupers bewirtschaften den Hof seit 1583, nach der noch erhaltenen Pergamenturkunde. Gegenüber an der heutigen Parkplatzmauer sehen Sie das Hauswappen des Bürgermeisters und Bäckers Sebastian Schmötzer von 1733.

Links, vor der Kainachbrücke kommen wir in die Hollfelder Türkei . Eine entlang der Kainach und dem Bergfluss der Oberstadt entlangführende schmale Straße, mit noch vielen älteren landwirtschaftlichen Anwesen. Warum und wann die Türkei genannt wird, konnte noch nicht eindeutig ermittelt werden. 1764 wird im alten Stadtprotokollbuch eine dürkische Music erwähnt und erhält ein Prinz aus Arabien ein Almosen. Vermutlich ist im Zuge der Türken- oder Franzosenkriege durch ein besonderes Ereignis als Erinnerung diese Straße Türkei genannt worden. An der alten Brücke sehen wir ein interessantes zweigeschossiges Fachwerkgebäude mit Satteldach, eine ehemalige Fachwerkscheune aus der Mitte des 18. Jahrhunderts.

Einsturzgefährdet übernahm sie 1977 Stadtheimatpfleger Günther Hofmann. Jetzt gilt sie als Musterbeispiel für eine Rettung, sinnvoller Gebäudenutzung sowie handwerklicher und denkmalpflegerischer Leistung. Das aus Sandstein gestaltete Hauszeichen zeigt die Lukaslegende – den Berufsheiligen der Maler. Im Hintergrund am Rand der oberen Stadt erkennen wir wieder das alte Amtsgericht. Gehen wir der Kainach entlang, kommen wir an der alten Bergmühle mit dem alten Mühlenkanal vorbei. Jahrhundertelang Mehl – bzw. Getreidemühle, um 1920 auch Sägemühle. Einige noch interessante Wohnstall- und –bürgerhäuser kann man entdecken. Halten wir uns links, müssen wir eine beachtliche Steintreppe emporgehen bis zum Bergschustertor, dem alten Badtürlein – dahinter liegt der Obere Markt/Marienplatz.

Hollfelds große stadtnahe Waldung, die burgen-, höhlen- und mühlenreiche Umgebung bietet ebenfalls reichlich Gelegenheit zu Entdeckungsreisen, lohnenden Wanderungen und Ausflügen.

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