Kirche St. Martin in Hohenmirsberg bei Pottenstein

Sie sehe den Hauptaltar der Pfarrkirche St. Martin in Hohenmirsberg
Sie sehe den Hauptaltar der Pfarrkirche St. Martin in Hohenmirsberg

540 Jahre Pfarrei Hohenmirsberg - Helmut Wunder findet Gründungsurkunde – Hohenmirsberger Pfarrer wurde Bischof von Speyer

Auf den Tag genau hätte man in Hohenmirsberg am 5. Februar, den 540sten Jahrestag der Pfarrerhebung feiern können. Es ist zwar bekannt, dass die heutige Pfarrei St. Martinus Hohenmirsberg im Jahre 1472 selbstständig wurde. Doch in keiner Quelle wurden bisher das genaue Datum und die Umstände genannt, wie es dazu kam. Der Waischenfelder Stadthistoriker Helmut Wunder hat nun im Domarchiv Bamberg mehr aus Zufall die originale Gründungsurkunde der Pfarrei Hohenmirsberg gefunden, die dort lange Zeit im Verborgenen schlummerte.

Diese dreiseitige Urkunde in lateinischer Schrift ist datiert auf den 5. Februar 1472 und trägt die Unterschrift des damaligen Bamberger Bischofs Georg I. von Schaumberg. Georg I., der aus einer fränkischen reichsfreien Adelsfamilie entstammte, trennte nach der von Wunder nun wiederentdeckten Urkunde die Kapelle des Heiligen Martinus „Hohenmürsperg“, so die damalige Schreibweise von Hohenmirsberg, von der Mutterkirche Sankt Bartholomäus in Pottenstein und erhob sie zur eigenständigen Pfarrkirche. Dieser Akt war gleichzeitig die Geburtsstunde der noch heute bestehenden Pfarrei St. Martin Hohenmirsberg.  Bereits 1439 stand nach Looshorn eine Kapelle in Hohenmirsberg. Die heutige Pfarrkirche wurde aber erst in den Jahren 1720 bis 1722 erbaut, der Turm stammt aber noch aus der Zeit der Pfarreierhebung vor 1472. Wie weiter aus der Urkunde hervorgeht, kamen ebenfalls am 5. Februar 1472 die umliegenden Dörfer „Püttla, Pullendorpf und Stapfling“, so die damaligen Schreibweisen von Püttlach, Pullendorf und Steifling, zur neu gegründeten Pfarrei, der sie noch heute angehören. Pfarrer von Sankt Bartholomäus Pottenstein war zum Zeitpunkt der Pfarrerhebung von Hohenmirsberg Heinrich Kohler, der in die Trennung von St. Martin und St. Bartholomäus einwilligen musste. Dieser Pottensteiner Pfarrherr war im Bistum Bamberg kein Unbekannter, war Heinrich Kohler doch  gleichzeitig „Subkustos“ im Dom zu Bamberg, also der Stellvertreter des Domkustos, der für den baulichen Unterhalt, die Ausstattung und den Schmuck des Bamberger Domes verantwortlich und außerdem der Hüter des Domschatzes war. Heute würde man den Subkustos als stellvertretenden Dombaumeister bzw. stellvertretenden Leiter des ordinariatlichen Bauamtes bezeichnen. Der letzte Pfarrherr der Pfarrei St. Martin war geistlicher Rat Georg Popp, der heute seinen Lebensabend im Hohenmirsberger Pfarrhaus verbringt und als Ruhestandspfarrer noch immer die heiligen Messen hält. Aus der Pfarrei Hohenmirsberg ging aber auch ein Pfarrer hervor, der später Bischof von Speyer wurde. Und dies gehört sogar zur neueren Hohenmirsberger Kirchengeschichte. Der am 6. Oktober 1862 in Frankenstein in der Rheinpfalz geborene und am 20. Mai 1943 in Speyer gestorbene Bischof Ludwig Sebastian war von 1892 bis 1900, also acht Jahre lang, Pfarrer von St. Martin in Hohenmirsberg. Dieser ehemalige Hohenmirsberger Pfarrer ist im Dom zu Speyer bestattet.

Text: Thomas Weichert

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