Lichterprozession - Ewige Anbetung in Pottenstein

Seit 246 Jahren Ewige Anbetung in Pottenstein mit Lichterprozession

Immer am Dreikönigsnachmittag werden in Pottenstein wieder Tausende Schaulustige aus Nah und Fern erwartet die die weithin bekannte Lichterprozession mit über 1000 Holzfeuern auf den Berghängen um das Felsenstädtchen miterleben wollen. Der Beschluss der "Ewigen Anbetung" - für Fremde besser bekannt unter dem von den Pottensteinern unbeliebtem Begriff "Lichterfest" – ist in Pottenstein Brauch seit mindestens 200 Jahren. Pünktlich um 17 Uhr wird sich die Prozession auch am 6. Januar 2006 von der Stadtkirche aus wieder in Bewegung setzten. Nach und nach werden dann auch die Holzfeuer auf den Berghängen rund um das Felsenstädtchen entzündet.  Pottenstein bleibt einfach der Hauptanziehungsrot in der Fränkischen Schweiz in Sachen "Lichterprozession" mit alljährlich den meisten Besuchern. Auch alle Pottensteiner Vereine und natürlich die Stadtkapelle beteiligten sich mit ihren Fahnenabordnungen alljährlich an der Prozession und gleich mehrere Vorbeter rufen die Gläubigen zum mitbeten auf. Neben den rund 1000 brennenden Holzfeuern, für die rund 80 Kubikmeter Brennholz nötig sind, sorgen auch zahlreiche bengalische Leuchtfeuer wieder für eine einmalige Illumination. Der Brauch des "Feuerschürens" an Dreikönig geht wohl auf das Jahr 1905 zurück. In diesem Jahr wurde der Dreikönigstag als Tag der Ewigen Anbetung in Pottenstein neu festgelegt. Die aus Holz von einheimischen Handwerkern gefertigten Triumphbögen sind jedenfalls etwa 100 Jahre alt und wurden von Pottensteinern damals gestiftet. Das eigentliche Fest der ewigen Anbetung geht allerdings auf das Jahr 1759 zurück. In der "Wachter-Chronik" heißt es hierzu: "Die zehnstündige Anbetung welche Bischof Adam Friedrich anordnete, begann für Pottenstein am Patronatsfeste, dem Tag des heiligen Bartholomäus, am 24. August. Ursprünglich dauerte diese große Anbetung fünf Tage lang und zu jener Zeit war Pottenstein auch noch einer der bedeutendsten Wallfahrtsorte in der Fränkischen Schweiz. Einer der allerdings so gut wie noch nie an der Prozession teilgenommen hat ist der 71-jährige Pottensteiner Lorenz Dütsch aus dem Mariental. Seit nunmehr genau 60 Jahren, genauer seit dem 6. Januar 1946, verfolgt Lorenz Dütsch die Lichterprozession im Tal hoch über Pottenstein auf der sogenannten Prüllsleithe, dem Hang im oberen Püttlachtal auf dem 1954 die heutige Bergwachthütte gebaut wurde. Lorenz Dütsch ist einer der über 100 "Feuerschürer" die Pottenstein alljährlich an Dreikönig zu einem einmaligem Lichterglanz verhelfen. Als damals elfjähriger Bub war Lorenz Dütsch zum ersten Mal auf der Prüllsleithe dabei. Zum ersten Mal nach dem zweiten Weltkrieg als die amerikanische Besatzungsmacht das Feuerschüren wieder erlaubt hatte. Seither ist noch kein Jahr vergangen in dem Lorenz Dütsch nicht auf der Prüllsleithe beim Aufbau der dort etwa 400 Feuerstellen und dem Entzünden pünktlich zu Prozessionsbeginn um 17 Uhr dabei war. Neben Dütsch sind nur noch Georg Körber, Hans Donhardt und Georg Buhl die letzten Feuerschürer nach dem Krieg die von Anfang an mitgemacht haben. Wie sich Dütsch zurückerinnert, genehmigten die Amerikaner das Feuerschüren auf den Berghängen erst Ende 1945 wieder. Erst dann als ihnen von den Pottensteinern plausibel gemacht wurde, das ein religiöser Brauch – laut Dütsch gibt es diesen seit etwa 200 Jahren in Pottenstein – dahinter steht. Die Sperrstunde in Pottenstein wurde erst im August 1945 aufgehoben. Damals, als der Brauch des Feuerschürens wieder auflebte, war eine schöne Zeit, sagt Dütsch noch heute. Damals wie heute wurde das Holz – meist einjähriges Fichtenholz – von den Pottensteinern zuvor gesammelt. Als Anzündfackel der Holzstöße diente nach dem Krieg ein etwa 35 Zentimeter langer Kienspan der vom "Hirtmüller", einem damaligen Mitarbeiter des Pottensteiner Forstamtes, geliefert wurde. Und Anzündhilfe nach dem Krieg war Petroleum das es in Kübeln beim "Wasserfritz", dem damaligen Gemischtwarenhändler Hans Krieg gab. Außerdem wurden Hobelspäne und Reisiggebinde mit verwendet. Heute dienen zum Anzünden handelsübliche Wachsfackeln und als Anzündhilfe ein Gemisch aus Heizöl und Benzin mit dem die Hobelspäne getränkt werden. Es wird heute mehr auf den Umweltschutz geachtet. Nur trockenes Fichtenholz sorgt so für ein restloses Verbrennen der Holzstöße. Damals, so erinnert sich Dütsch, gab es auch noch nicht den großen Massenandrang wie heute. An der Prozession nahmen nur die Mitglieder des Pottensteiner Pfarrsprengels teil. Erst als die Motorisierung Mitte der 50-ger Jahre immer mehr zunahm kamen auch immer mehr Schaulustige zur Lichterprozession, die nicht mit einem Lichterfest verwechselt werden darf, sagt Dütsch und betont, das die Lichter schließlich nur zur Ehre Gottes angezündet werden. Vor dem Krieg fand die letzte Lichterprozession im Jahre 1939 in Pottenstein statt. Als Fünfjähriger war Dütsch in diesem Jahr ein einziges Mal beim Umgang im Tal dabei. Professor Hans Brand, der Entdecker der Teufelshöhle, der im Dritten Reich jedoch als SS-Sturmbandführer und Chef der Karstwehr zu unrühmlichen Ehrengelangte, hatte vor dem Krieg auch die ersten bengalischen Leuchtfeuer eingeführt, die noch heute teilweise entzündet werden. Das schönste Erlebnis für Dütsch waren dann auch immer die Brotzeiten die zusammen mit den "Feuerschürer-Kollegen" von der Schloßleithe in der Werkstatt vom "Wagners Michel" und später beim "Heckels Hans" gemacht wurden. Das Bier spendierte der "Schöpf" und die Brotzeit Josef Gemperlein, der dazu extra ein Schwein geschlachtet hatte. Da gab es dann auch Geräuchertes, Kraut- und Blutwürste.

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