Ein Rundgang durch das Töpfermuseum

Ein Rundgang durch das Töpferei-Museum Thurnau
Im Raum 1 sind die ältesten erhaltenen Thurnauer Töpferwaren zu sehen. Es sind teils von Günther Stüdemann gesammelte Stücke, teils Stiftungen von einzelnen Bürgern und dem Förderverein des Museums und auch Leihgaben.
Der Raum 2 wartet mit einer Überraschung auf. Bei den Umbauarbeiten des Gebäudes wurde eine sogenannte "Schwarze Küche" freigelegt, wie sie für das alte Hauswesen in Oberfranken üblich war. Aus einem Gutachten des Leiters des Fränkischen Freilandmuseums Herrn Dr. Konrad Bedal ist zu entnehmen:

„Die Schwarze Küche im Museum besteht aus einem Vorraum mit Fenster zum Hausplatz und der eigentlichen Küche mit Tonnengewölbe. Die Trennung erfolgt durch einen Balken in Kopfhöhe und Ausmauerung darüber bis zur Wölbung. Der Vorraum bildet so etwas wie eine "Rauchschleuse" zwischen Küche und Hausplatz. Vermutlich wurde er auch zum Nachräuchern von Fleischwaren verwendet. Links vom Schürloch, noch in der Trennwand zwischen Stube und Küche befand sich einst eine Öffnung, von Sandsteinen gerahmt, die möglicherweise als Durchreiche diente.

An der Außenwand ist noch der alte Gußstein erhalten, dessen Rinne sicher durch die Außenwand in die "Bauwich" reichte. In der Ecke der Küche ist noch deutlich die Lage des ehemaligen offenen Herdes zu erkennen, der etwa 55-60 cm hoch gewesen sein dürfte. Direkt oberhalb des Herdes ist im Gewölbe die Schlotöffnung zu erkennen, die heute zugemauert ist. Es handelt sich also um einen sog. deutschen Schlot, der über dem First endete.

Zur Küche passend enthalten die Vitrinen Koch- und Bratgeschirre wie Gänsepfannen, Hasenpfannen und ein Taubenpfännchen. Es gibt ferner Rührschüsseln und dazu Backformen für das Osterhäschen oder -lämmchen.

Der Raum 3 stellt eine kleine Töpferwerkstatt dar mit einer alten Fußdrehscheibe, die auf einer Speckschwarte läuft - nicht wie in späteren Zeiten auf einem Kugellager.

Die Vitrine rechts zeigt die Arbeitsgänge bei der Herstellung eines Thurnauer Topfes vom Tonschlagen bis zum gebrannten Stück.

Dargestellt sind: Das Hochziehen beim Freidrehen, Angarnieren des Henkels, Dekorationen mit dem Malhorn, schließlich das Glasieren und das Brennen. Die Vitrine links präsentiert Rohstoffe und Werkzeuge zum Dekorieren und Glasieren.

Im Raum 4 - dem freigelegten, alten Tonnengewölbe des Hauses - werden noch erhaltene Geräte bzw. deren Bilder gezeigt.

Vom Tonabbau untertage im nahegelegenen Hutschdorfer Wald existiert noch die zum Abtransport des gestochenen Tones gebrauchte Lore - bergmännisch "Hunt" genannt -. Sie steht hier vor dem Eingang in den durch starke Balken gesicherten Stollen, dem letzten von 9 solcher Zugänge zur Lagerstätte des guten Rohstoffes.

Um dem Ton die bestmöglichen Eigenschaften für die weitere Verarbeitung zu geben, ließ man ihn möglichst einen Sommer und Winter im Freien lagern, dann zur besseren Mischung eine Tonwalze passieren und in einer Grube längere Zeit sumpfen. Mehrfaches Treten mit bloßen Füßen steigerte die gewünschte Gleichmäßigkeit - Homogenität - beträchtlich. Die auch dann noch störenden Lufteinschlüsse zu beseitigen, blieb dem Dreher bzw. Former überlassen. Er musste seine Tonballen deshalb noch einmal kräftig "schlagen". Heute leisten Maschinen wie Knetmaschinen und Vakuumtonschneider diese mühevollen Arbeiten.
Die Glasurrohstoffe wurden in großen Mörsern zuerst mit dem Pistill zerstampft und anschließend gemahlen. Die erforderliche Feinstmahlung Ge-schah von Hand in Topf- oder Kübelmühlen bis zur Nagelprobe. Der zu erzielende Feinheitsgrad war erreicht, wenn beim Reiben einer Probe zwischen den Daumen kein Kratzen mehr spürbar war.
Ein Modell zeigt einen Brennofen, wie er ab der Mitte des 19. Jhs. über rund 70 Jahre der gebräuchlichste Töpferofen war. Diese "Kasseler Öfen" waren eine oft sehr eigenwillige Abwandlung des von Henschel in Kassel konstruierten Ziegelflammofens. Verschiedene Darstellungen zeigen die Art des Rohwareneinbaues in den Brennofen. Die Brenntemperaturen lagen um 900 Grad C.
Im Flur des ersten Obergeschosses dem Raum 5 zeigen 2 Vitrinen Spielzeug und Puppenküchen.
Ein auf der linken Seite liegender Raum 6 enthält noch vorhandene Erzeugnisse der einstigen Töpfereien Weyermüller, Pittroff und Freitag und auch solche, die um 1890 in den Töpfereien von Spielbühler und Renner hergestellt wurden.
Die Vitrine rechts zeigt in Thurnauer Wohnungen gefundene Bruchstücke von Ofenkacheln, die Relief-Verzierungen tragen.
Die Mitte des Hauptraumes 7 ist mit einem offenen Vitrinenkreis dem Gedenken an Günther Stüdemann gewidmet.
Einige Exponate stammen aus seiner Italienzeit um die Mitte der 20er Jahre unseres Jahrhunderts. Seine Anfänge in Thurnau - Ende der 30er Jahre -offenbaren Stüdemanns großen Ideenreichtum, der in der Nachkriegszeit ihn zu Arbeiten in der Fayence-Technik führte, jener Gattung des Irdenguts, die eine weißdeckende Glasur trägt, in die vor dem Brand mit Mineralfarben hineingemalt wird.
Die Verwendung von Bruch technischer Gläser und Farbgläser in dicken Schichten als Glasur auf keramischen Platten, führte in seinen Händen zu überraschender Wirkung.


(Quelle: Förderverein Töpfermuseum Thurnau)

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