Töpferhandwerk in Thurnau - Die Thurnauer Töpfereien

Frau Schnauder, ems-Keramik, beim Modellieren in einer Thurnauer Töpferei.

Die Thurnauer Töpfereien
Der erste schriftliche Hinweis auf die Töpferei in Thurnau findet sich im Landbuch der Herrschaft Plassenberg von 1398. Das Landbuch war der Bericht der Regierung über wesentliche Jahresereignisse. Unter anderem wird berichtet, dass ein Töpfer Heinrich Hafner aus Thurnau nach Heinersreuth bei Bayreuth "auswanderte", weil er vom Markgrafen ein "Lehen" zu einem billigeren Zins erhielt. Ihm war zur Auflage gemacht: "Hefen zu liefern gen Plassenburg", nämlich dem zeitweiligen Regierungssitz Kulmbach und auch an die markgräfliche Hofverwaltung in Bayreuth. Von "auswandern" zu reden hat insofern seine volle Berechtigung, als das von den Herren Förtsch regierte Thurnau mit seinen umliegenden Ortschaften damals eine freie, selbständige Herrschaft war.
Die Familie Hafner lässt sich im fränkischen Raum noch über viele Generationen verfolgen; oft mit veränderter Schreibweise wie: Hefner, Heffner und Hafner. Alle Namen bezeugen, dass auch schon die Vorfahren das gleiche Handwerk betrieben.

Wo in Thurnau im 14. und 15. Jahrhundert eine entsprechende Werkstatt gestanden hatte, war nicht zu ermitteln.

Der Betreiber einer Hafnerei (= Töpferei) war und ist stets, wie entsprechend auch in anderen Handwerkszweigen, ein "Meister". Die Bezeichnung Töpfer nennt nur die Berufsgruppe, nicht aber den Rang, ob Meister oder Geselle. Ein Meister kann mehrere Gesellen beschäftigen und Lehrlinge ausbilden.

In den Thurnauer Kirchenbüchern werden vom Jahre 1593 an oft Namen von Töpfern genannt wie Valentin Gueth, der 1593 heiratete oder ein Lorenz Schreiner aus Wildstein, von dem nach Heirat 1604 der baldige Tod 1606 verzeichnet ist. Weitere Mitteilungen über ihr Leben und Wirken sind jedoch nicht zu finden.

Aus der Zeit vor dem 30-jährigen Krieg ist ein einziger Töpfer bekannt, von dem man auch den Standort seiner Werkstatt kennt. Da wohl kaum die Möglichkeit besteht, über Töpfereien vor dem 30-jährigen Krieg noch Nachrichten zu erhalten, soll die Aufzählung der Werkstätten mit dieser Reinheinz'schen Werkstatt als Töpferei l beginnen.

Töpferei 1
Der 1578 geborene Paulus Reinheinz hatte im alten Sannwaldhaus in der Jägergasse 7 seine Töpferwerkstatt. Er heiratete 1604 und starb in der Kriegszeit 1633, als Thurnau von katholischen Truppen schwer heimgesucht wurde. Sein 1619 geborener Sohn - auch Paulus - heiratete 1649 -also nach Friedensschluss - und wird der im Schrifttum erwähnte einzige Thurnauer Töpfer gewesen sein, der den verheerenden Krieg überlebt hat.

Aus dem Jahre 1657 wird die Heirat eines Töpfers Niklas Schmalfueß und die Geburt des späteren Töpfers Andreas Beyer berichtet. Letzterer heiratete 1680 und starb 1726. Er oder sein Sohn, der 1711 heiratete und 1745 starb, hat sicher die Reinheinz'sche Werkstatt übernommen, denn auch im Jahre 1734 wird nur von einer Töpferei in Thurnau berichtet.

Die "Herrschaft" in Thurnau veranlasste 1702, die "Einführung guter Policey und Ordnung in ihrem Territorium für das Handwerk mit den Konstitutionen und Gebräuchen der Zünfte aufzurichten." Es bildeten sich damals 14 verschiedene Zünfte. Die Hafner waren aber zu wenige, als dass sie eine besonderte Zunft hätten bilden können.

Unter den zahlreichen Zunft-Geboten, die fast in allen deutschen Ländern ähnlich waren, soll auf eines besonders hingewiesen werden, weil es in Thurnau recht oft seine Auswirkungen zeigte. Der Artikel 11 aus der Töpferordnung für Bayreuth von 1724 lautet: "Würde eine Werkstatt "ledig", dass solche nach Absterben eines Meisters mit einem anderen zu besetzen sei, soll eines Meisters Sohn, oder der (welcher) eines Meisters Wittib oder Tochter heiratet einem fremden jedesmals vorgezogen werden." Ein fast gleichlautender Text ist schon 150 Jahre vorher in einer Töpferordnung von 1574 enthalten.

Eine Belebung des Thurnauer Töpferhandwerks setzte erst um die Mitte des 18. Jhs. ein, als tüchtige Gesellen aus anderen Töpferorten sich hier niederließen.

Töpferei 2
Es begann mit Conrad Grimm, der aus Berneck, wo er 1723 geboren war, zuwanderte. Er baute seine Werkstatt im Krähwinkel 45. Eine Tochter, von der noch die Rede sein wird, wurde am 11. 2. 1753 geboren. Der 1758 geborene Sohn wird wieder Töpfer, wie auch die weiteren männlichen Nachkommen. Die Werkstatt bleibt so bis ins späte 19. Jh. im Familienbesitz. Nach dem Tode eines Georg Grimm im Jahre 1887 erfolgt die Schließung der Töpferei.

Töpferei 3
Ein gewisser Neudecker baute im Jahre 1752 das heutige Haus Jägerstr. 7, das er 1774 an den Töpfermeister Johann Georg Pittrich verkaufte. Von dem Käufer weiß man nicht woher er kam, jedoch ist erwiesen, dass er dort eine Töpferei einrichtete, 3 Gesellen beschäftigte, ihm 1807 ein Sohn Johann Andreas geboren wurde und er 1844 starb. Der Sohn übernahm die Töpferei. Nach dessen Tod 1886 diente das Haus nur noch als Wohnung.

Töpferei 4
Ende der 50er Jahre des 18. Jhs. zog der Töpfergeselle Johann Heinrich Spielbühler aus Schirnding nach Thurnau. Er heiratete 1759 eine Margarete Schmidt und gründet eine Töpferei am Weiherdamm, heute "Am Damm 2". 1763 kam ein Sohn Johann Friedrich zur Welt. Im folgenden Jahr wurde ein neues Wohnhaus gebaut und vermutlich der erste Kasseler Brennofen in Thurnau errichtet.

Als der Vater Spielbühler starb, war der Sohn mit 21 Jahren ein tüchtiger Töpfer geworden, der den Betrieb mit 10 Mitarbeitern weiterführen konnte. Von Sohn zu Sohn wurde die Töpferei vererbt, bis dieser Familienzweig mit dem Tode von Hans Spielbühler 1977 ausstarb.

Die Töpferei wurde 1978 von der Familie Schnauder erworben. Nach Umbauarbeiten und Abriss des alten Kasseler Ofens wurde die Werkstatt jetzt mit Elektroofen versehen und 1979 als Töpferei am See wiedereröffnet.

Töpferei 5
In die Töpferei Spielbühler trat der in Lindenhardt 1745 geborene Töpfergeselle Johann Freund ein und hatte sicher dort seine Meisterprüfung abgelegt. Als 1784 Johann Heinrich Spielbühler starb, heiratete noch im gleichen Jahr Freund dessen Witwe. Als offensichtlich Begüterter baute er auch nahe bei dem Weiherdamm einen eigenen Betrieb. Er und seine Nachfahren errichteten dort auch Stallungen und Scheunen, erwarben Äcker und Wiesen, hielten Pferde und Rinder und hatten somit neben der Töpferei auch noch eine Landwirtschaft.

Johann Freund starb 1802 und hinterließ - wohl aus zweiter Ehe - den 1786 geborenen Sohn Johann Paul, der die Töpferei weiterführte. Der Enkel Johann Freunds, Jakob Heinrich, heiratete 1859 die Thurnauer Töpferstochter Anna Margarete Senft.
Aus der Ehe des 1872 geborenen Friedrich Heinrich Freund mit Margarete Barbara Wölfel entstammt ein Sohn, der als letztes Glied der Deszendentenreihe im Ersten Weltkrieg 1918 fiel. Somit verwaist die Töpferei, als 1932 Friedrich Heinrich Freund starb.

Töpferei 6
Auf seiner Wanderschaft war im Jahre 1771 der in Döllnitz geborene Töpfersohn Conrad Pittroff als Geselle in die Töpferei Grimm eingetreten. Er heiratete die Tochter Anna Dorothea seines Meisters, auf die schon hingewiesen wurde (T 2). Höchstwahrscheinlich hat er bei Grimm seine Meisterprüfung abgelegt und danach seine eigene Werkstatt gegründet.
Der am 27. 2. 1791 geborene Sohn dieser Ehe Georg Pittroff, heiratete 1816 eine Kunigunde Götz. Dieser Ehe entsprangen zwei Töchter und der Sohn Johann Valentin, geboren 1818, der das Töpferhandwerk erlernt. Aus einer zweiten Ehe Georg Pittroffs mit Agnes Elisabeth Bergmann kam 1829 ein Sohn Fritz Nikolaus, der auch Töpfer wurde und später die Tochter Margarete Magdalene des Töpfers Johann Paul Freund heiratete. Er übernahm die väterliche Werkstatt. Bei seinem Tode im Jahre 1876 hinterließ er keinen Sohn und ein Töpfer Münch übernahm die Werkstatt, die dieser bereits 1880 schließen musste.

Töpferei 7
Johann Valentin Pittroff, der bereits genannte Sohn Georg Pittroffs aus erster Ehe, ging nach seiner Lehre auf langjährige Wanderschaften. Über sein dabei geführtes Wanderbuch hat später Günther Stüdemann sehr interessant berichtet. In der Nähe des väterlichen Betriebes baute Johann Valentin eine eigene Werkstatt, die nach seinem Tode der Sohn Fritz Pittroff weiterführte. Dieser entwickelte sich zu einem allseits beliebten und geehrten Thurnauer Bürger. Sein Tod am 24. 4. 1926 führte, da er
kinderlos war, zur Schließung der Töpferei. Nach 13 Jahren sollte die stillgelegte Werkstatt noch einmal zum Leben erwachen, als der Kunstmaler und Keramiker Günther Stüdemann in diese Werkstatt einzog. Als besondere Neuerung versah Günther Stüdemann diese Werkstatt mit einem ersten Elektrobrennofen in Thurnau. Nach weiteren 18 Jahren wird jedoch der Bau einer neuen Werkstatt notwendig. So kam es 1957 mit Stüdemanns Umzug in die Milzau zur endgültigen Schließung der Töpferei 7.

Töpferei 8
Das Thurnauer Haus Kirchplatz 10 wurde im Jahre 1534 erbaut. Ursprünglich soll es zum Schlossbesitz gehört haben. Im Laufe der Jahrhunderte hat es vielfach den Besitzer gewechselt. Laut einer Notiz in einem Brief von Frau Lina Krauß, geb. Freitag, ist im Jahre 1877 das Haus abgebrannt. Um diese Zeit kam es in den Besitz des Häfnermeisters Karl Senft. Für den Besitzwechsel werden zwei Jahreszahlen genannt, 1874 und 1881. Für die Gründung der Töpferei wird das Jahr 1880 angegeben.
Obwohl von Karl Senft und auch von seinem Vater keinerlei Daten bekannt sind, kann nach anderen erhaltenen Unterlagen angenommen werden, dass Karl Senft eine Schwester Anna Margarete hatte, die 1859 den Töpfer Johann Heinrich Freund heiratete. Senfts Tochter Johanna, geb. am 15.3.1872 heiratete 1894 den Töpfer Johann Adam Freitag, der als Sohn eines Hafnermeisters 1872 in Hollfeld geboren war. Freitag hatte zunächst bei Freund als Gehilfe gearbeitet. 1907 übernahm das Ehepaar Senft-Freitag die Töpferei. Im Ersten Weltkrieg fiel nicht nur 1916 Freitags einziger Sohn, sondern er selbst zog sich ein Kriegsleiden zu, an dessen Folgen er am 2. 1. 1928 starb. So verwaist auch die Töpferei am Kirchplatz 10.

Töpferei 9
Auf dem Mittleren Markt 3 gründete 1860 der Töpfermeister Christian Weihermüller, geb. 1837, eine Werkstatt besonderer Art. Er fertigte nicht nur das für Thurau typische Gebrauchsgeschirr an, sondern verstand sich auch auf die Herstellung von Ofenkacheln und den Bau der entsprechenden Heizöfen. In manchem Haus in Thurnau, in der weiteren Umgebung, aber auch in entfernteren Städten findet man Weihermüllers sehr geschätzte Kachelöfen. Christian Weihermüller starb nach erfolgreichen Jahren am 7. 2. 1897. Die Werkstatt wurde anschließend aufgelöst.

Töpferei 10
Vermutlich ließ sich nach dem Kriege 1870/71 ein gewisser Grassy im Ortsteil Eckersdorf nieder und errichtete eine Töpferwerkstatt mit einen" Kasseler Brennofen. Über Grassy, der wahrscheinlich aus Berneck kam konnte bisher nichts an Daten ermittelt werden. Schon 1876 ist ein Adam Münch Inhaber der Töpferei. 1884 heiratete der zugewanderte Töpfer Franz Otto Renner aus dem schlesischen Naumburg am Queis, die Tochter Münchs. Die Nachkommen dieser Verbindung führen heute noch die Werkstatt. Als letztes Glied der Familie Renner heiratete Helene Renner 1950 Herbert Sommer, der wie einst Franz Renner wieder aus Naumburg am Queis kommt, diesmal jedoch als Heimatvertriebener des 2. Weltkriegs. In Ihrer Geschichte von ca. 118 Jahren wurde die Töpferei über 77 Jahre von tüchtigen Frauen geleitet.

Töpferei 11
Die einzige Töpferwerkstatt in Thurnau, über die auch nach intensiver Unterlagensuche keine sicheren Angaben gemacht werden können, müsste von einem Töpfer Bickerich gegründet worden sein. Als Standort taucht wieder, wie bei T l, die Jägergasse und auch das Sannwaldhaus auf. Während die Zeit der Gründung nicht genannt wird, ist nur von der Betriebsschließung im Jahre 1890 die Rede.

Töpferei 12
Im Jahre 1954 bezog Günther Stüdemann sein in der Milzau neugebautes Töpferhaus. Hier konnte er noch anderthalb Jahrzehnte seinem künstlerischen Schaffensdrang huldigen, besonders aber sein Wissen und Können an den Nachwuchs weitergeben. Während in den älteren Werkstätten fast nur Familienmitglieder ausgebildet wurden, verdanken viele Keramiker Stüdemann ihr berufliches Fundament. Ab 1971 vermietete die Familie Stüdemann ihre Werkstatt an das Ehepaar Eveline und Heinrich Schnauder.

Töpferei 13
Das Ehepaar Schnauder hatte nach Abschluss der üblichen Ausbildung, die für Frau Eveline-Maria Schnauder mit der Meisterprüfung endete, 1958 zunächst eine Werkstatt in Kulmbach bezogen. Sie kamen 1965 wieder in ihren Heimatort Thurnau zurück und richteten im Elternhaus des Mannes - auf der Hopfenleite 10 - ihre erste Thurnauer Werkstatt ein, die heute noch besteht.

Töpferei 14
1975 kam es zur Gründung einer keramischen Werkstatt durch Claus Tittmann im Ortsteil Berndorf. Nach dem Studium der Wärmetechnik in München war Tittmann schon mehrere Jahre als Ingenieur tätig, als er sich - bereits 32 Jahre alt - mutig entschloss, seinen künstlerischen Neigungen nachzugeben und Keramiker zu werden. Sein Besuch der keramischen Fachschule in Landshut war eingebettet in praktische Schulungen bei Günther Stüdemann in Thurnau und bei dem aus Schlesien vertriebenen Töpfer Gerhard Seiler in Leutershausen bei Ansbach.

Töpferei 15
Marianne Häußinger aus Berndorf gründete 1984 am Thurnauer Kirchplatz eine Werkstatt. Diese ist ausgestattet mit einem Gasgebläseofen, der das Brennen von Keramiken in einem breiten Temperaturbereich ermöglicht. Nach einer abgeschlossenen Lehrzeit von 1966-1969 bei E.M. Schnauder und einigen Gesellenjahren dort, schuf sie sich schon damals in Berndorf eine kleine Töpferwerkstatt. Ihr Besuch der Keramischen Fachschule in Landshut endete 1981 mit der Meisterprüfung.

Töpferei 16
Das Jahr 1988 bringt mit der Töpferei Sanke am Oberen Markt die letzte Neugründung einer Töpferwerkstatt. Zusammen mit seiner Frau Franziska, geb. Schnauder hatte Stephan Sanke seine Lehrzeit in der Töpferei Schnauder geleistet. Nach 5 Gesellenjahren bestanden beide an der Landshuter Fachschule ihre Meisterprüfung.


(Quelle: Förderverein Töpfermuseum Thurnau)

Töpfermuseum

Das eindrucksvolle Haus, in dem das Töpfermuseum untergebracht ist, war einst die Lateinschule von Thurnau. Gegründet im Jahre 1552, wurde die Schule in den Jahren 1598 und 1599 baulich erweitert und erhielt dabei ihre schöne Renaissance-Fassade.

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