Ewige Anbetung

Ewige Anbetung, Lichterzauber & Lichterprozession in Nankendorf

Bis Silvester ist es zwar noch etwas hin, doch in dem Waischenfelder Ortsteil Nankendorf denken die Aktiven der Freiwilligen Feuerwehr fast an nichts anderes mehr. Denn pünktlich am späten Silvesternachmittag müssen bei der Prozession zur Ewigen Anbetung rund 5000 Lichter – davon 3000 Wachslichter - rund um die Hänge sowie am Wiesentufer brennen. Nicht nur dies ist eine schweißtreibende Arbeit, sondern bereits das Gießen der Wachslichter, dass in diesen Tagen bereits von zahlreichen Helfern erledigt wurde. Rund 5000 Schaulustige die auch mit Bussen sogar aus ganz Deutschland nach Nankendorf kommen, werden auch an Silvester 2005 hier wieder erwartet. Grund für unsere Redaktion einmal bei der Vorbereitung hinter die Kulissen zu blicken und das Kirchenfest näher zu beleuchten.
Schon das ganze Jahr über haben die Nankendorfer Haushalte fleißig Wachreste gesammelt, der größte Teil sind aber das Tropfwachs und die Kerzenreste aus der Basilika in Gößweinstein. Um 3000 solcher Wachslichter herzustellen werden etwa 20 Zentner Kerzenwachs benötigt, dies sind rund 40 Säcke voll die das Jahr über gefüllt werden müssen. Die Blechbüchsen sind meist noch von den Vorjahren vorhanden, es kommen aber auch wieder neue hinzu. Auch ausgebrannte Friedhofsschalen dienen als Wachsbehälter. Neben dem Rohstoff Wachs ist die zweite Komponente einer „Blechdosenkerze“ der Docht, der aus alten Teppichresten oder einer speziellen Sorte von Putzlappen geschnitten wird. So weit zu den Vorbereitungen. Nun galt es dieser Tage, die 3000 Wachskerzen aus dem gesammelten Material herzustellen. Unter der Leitung von Werner Bischoff trafen sich dazu die Feuerwehrleute und die Kinder der Dorfjugend am Nankendorfer Feuerwehrgerätehaus. Zunächst wird am Flussufer der Wiesent ein großes Lagerfeuer entzündet auf dem das Wachs in einem riesigen Kessel erhitzt werden kann. Ist das Wachs flüssig wird es mit eigens konstruierten Schöpfkellen in Blecheimer geschüttet um dort etwas abzukühlen. In der Zwischenzeit sind die Dochte in Wachs getaucht und die erste Reihe der Blechbüchsen wurde zum Befüllen aufgestellt. Jetzt muss alles sehr schnell gehen, da das Wachs ja nur in flüssiger Form in die Blechbehälter gegossen werden kann. Besonders die Dorfkinder haben jedes Jahr ihre helle Freude, wenn sie bei der Produktion mithelfen dürfen. Ist das Wachs in die Blechbüchsen gegossen und erkaltet, so können diese in Pappkartons verpackt und bis kurz vor Silvester gelagert werden. Ortschronist Kurt Neuner weis zu berichten, dass die vielen Tausend Lichter – neben den Wachskerzen noch weitere Tausende Lichter aus Holzfeuern sowie bengalischen Lichtern und in der Zwischenzeit auch elektrischen Lichtern – zum Beschluss der ewigen Anbetung schon in den 20-ger Jahren des vorigen Jahrhunderts abgerannt wurden, auf jeden Fall aber seit 1927 als Nankendorf zur Kuratie erhoben wurde. Damals wie heute beteiligen sich alle örtlichen Vereine an der Schlussprozession nach Beendigung des Gottesdienstes in dem sie hinter dem Allerheiligsten durch den festlich beleuchteten Ort ziehen. Besonders eindrucksvoll ist dabei, dass sich viele Tausend Lichter auch in der Wiesent widerspiegeln die Nankendorf in zwei Hälften teilt. Ausgangs- und Endpunkt der Prozession ist die heutige Nankendorfer Pfarrkirche die in den Jahren 1746 bis 1748 vom Waischenfelder Baumeister Wencelaus Schweßinger (ein Vorfahre von Altbürgermeister Hans Schweßinger) erbaut wurde. Auch wenn an Silvester weit über 1000 Schaulustige nach Nankendorf kommen um die „Lichterprozession“ zu sehen, gibt es dort noch keine kommerzielle Vermarktung des Anbetungsschlusses. Vergeblich wird man daher auch Glühweinstände oder Bratwurstbuden, wie beispielsweise in Pottenstein, suchen und im letzten Jahr wurden gerade einmal sechs Reisebusse gezählt. Dennoch muss die Organisation mit rund 100 Helfern, auch aus der Nachbarortschaft Löhlitz, wie am Schnürchen klappen um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten. Bereits in den Tagen nach Weihnachten müssen die Holzstöße auf den Bergen und Hängen rund um den Ort aufgeschlichtet und an eher unzugänglichen Stellen die Wachskerzen postiert werden. Manchmal kein einfaches unterfangen, besonders dann nicht wenn bereits Schnee liegt. Bei starken Schneefällen sind dann sogar oft Seilschaften notwendig geworden um sich gegenseitig abzusichern. Wie gewohnt wird auch heuer wieder der Glockenklang am Spätnachmittag des 31. Dezembers den Beginn der Abschlussprozession – den die Einheimischen auch „Beschluss“ nennen – angekündigt werden. Heute ist es wegen der motorisierten Welt dabei schon Tradition, dass auch viele Besucher von weither nach Nankendorf kommen um an diesem seltenen Ereignis teilhaben zu können. In Nankendorf ist der Silvestertag nicht nur der Tag der Abschlussprozession der Ewigen Anbetung, sondern auch der Höhepunkt des Kirchenjahres.

Weitere Impressionen der Ewigen Anbetung in Nankendorf

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