Osterbräuche in der Fränkischen Schweiz

Osterbrunnen in der Fränkischen Schweiz

Ursprung der Osterbrunnen

Viele Menschen denken, dass die Osterbrunnen ein Jahrhunderte alter Brauch sind. Tatsächlich wird aber, laut mündlicher Überlieferungen, der erste Brunnen erst 1909 in Aufseß geschmückt. Warum, ist nicht sicher. Es gibt verschieden christliche Interpretationen, am häufigsten wird das österliche Schmücken der Brunnen aber auf die Wasserarmut in der Fränkischen Schweiz zurückgeführt. 

Trinkwasser war damals nicht selbstverständlich. In höher gelegenen Gebieten mussten Frauen teilweise bis in die 50er Jahre Wasser aus dem Tal holen und mühsam den Berg hinaufschleppen. Als dann in den Dörfern Brunnen angelegt wurden, hat man diese wertgeschätzt und sich um sie gut gekümmert. Vor allem nach dem langen Winter hat man den Brunnen aus Freude und Dankbarkeit herausgeputzt. Manche denken sogar, dass das Wasser durch dieses putzen gnädig gestimmt wurde - in den heißen Sommermonaten wurde das Wasser nämlich trotz Brunnen knapp.

In Aufseß wird der Osterbrunnen nach der hundert Jahre alten Tradition geschmückt - relativ schlicht und natürlich, nicht kitschig. In einem Punkt brechen sie die Tradition aber, denn der Brunnen wird nun nicht in der Nacht von Samstag auf Ostersonntag, sondern am Gründonnerstag geschmückt. In vielen Orten in der Fränkischen Schweiz werden die Brunnen jedoch noch früher, meistens mindestens eine Woche vor Ostern, gereinigt und geschmückt.

Und das vor allem aus einem Grund: Touristen. Von Jahr zu Jahr kommen immer mehr Touristen die verschiedenen Brunnen besichtigen. Es wird sogar gesagt, das der Tourismus der ursprüngliche Grund für die Entstehung dieses Brauches ist, oder zumindest der Grund, warum diese Tradition in vielen Orten übernommen wurde. Am Anfang des 20. Jahrhunderts war die Fränkische Schweiz eher besucherarm. Dank der Osterbrunnen wurde sie dann aber während der Frühlingsmonate zu einem Besuchermagneten. Dank ihrer Popularität entstanden nun auch die ersten Fehldeutungen zu dem Ursprung der Osterbrunnen.

Manche deuteten diesen als Überreste eines slawischen heidnischen Brauchtums. Diese Idee wurde später von der NS-Propaganda übernommen und zu einem germanischen Brauch mit uralten Wurzeln umgedeutet. Die Propaganda hat jedoch nur wenig Beachtung erhalten und wurde somit nicht allzu oft verwendet. Währen und nach dem Krieg ist der Brauch dank Rationalisierung vieler Güter fast ausgestorben, in den 50er Jahren wurde er dann aber von engagierten Menschen wieder eingeführt. In den 70er und 80er Jahren waren dann die Osterbrunnen so populär, dass man sie nicht nur außerhalb der Fränkischen Schweiz in Bayern, sondern auch in anderen Bundesländern finden konnte. 

 

Osterbräuche - Brauchtum rund um die Osterbrunnen

Man kann sich fragen, was alles eigentlich zum Brauch von Osterbrunnen gehört. In vielen Orten ist es nur das schmücken der Brunnen, in anderen Orten kommen aber noch andere österliche Bräuche dazu.

Das schmücken des Brunnens an sich wurde in der Vergangenheit traditionell in der Nacht von Samstag auf Ostersonntag gemacht. Fränkisch wird dies auch das “Putzen” des Brunnens genannt. Die Quelle musste zuerst gründlich gesäubert werden, dies wurde auch “Brunnen-fegen” genannt und ursprünglich von jungen Männern und Burschen durchgeführt. Während der Brunnen gesäubert wurde, versammelten sich Mädchen im heiratsfähigen Alter und fingen an, Bäumchen und Zweige mit bunten Eiern und Bändern zu schmücken. Die Burschen durften anschliessend die Schmuckbäumchen feierlich aufstellen. Dieser Brauch wird heutzutage nicht mehr eingehalten. Die meisten Brunnen werden teilweise schon eine Woche vor Ostern geschmückt, an dem Schmücken selbst beteiligen sich dann Freiwillige, Vereine und Kinder gleichermaßen. 

Auch das Ostersingen, ein Brauch mit langer Tradition, ist heutzutage sehr selten. Angeblich wurde früher das Osterfest am Brunnen eingesungen, nun wird nur noch in Engelhardsberg diese Tradition eingehalten und in der Osternacht werden hier christliche Choräle gesungen. Der Brauch wurde in anderen Orten in einer etwas anderen Form aufgegriffen, und zwar treten dort an Osterfeiertagen Blaskapellen und Chöre auf. Beispiele dafür sind Heiligenstadt und Bieberbach. 

Ein Brauch, der nicht nur in der Fränkischen Schweiz, sondern auch in anderen Gebieten eine lange Tradition hat, ist das Osterwasserholen. Dem Osterwasser wurden viele Wirkungen zugeschrieben. Es sollte das Hautbild verbessern, vor Ausschlag beschützen, vor Krankheiten bewahren, im Stall versprengt sollte es das Vieh behüten und bei richtiger Anwendung reiche und gute Ernte bringen. Natürlich kamen diese gaben nicht umsonst. Das Wasser musste von unberührten jungen Mädchen um Mitternacht geschöpft und lautlos nach Hause gebracht werden. Auch dieser Brauch ist heutzutage fast komplett verschwunden.

 

Symbole der Wasserverehrung

Die Tradition, Brunnen zu Ostern zu schmücken, ist vor zirka 100 Jahren entstanden. Oft wird angenommen, dass sie aus Dankbarkeit für das Wasser, das in den Orten der Fränkischen Schweiz sehr knapp war, gesäubert und geschmückt worden. Der Brauch hat sich, vor allem seit den 70er Jahren, stark verändert. Heutzutage werden die Brunnen (aber auch Quellen, Brücken, Weiher und viele weitere Orte) natürlich auch zur Feier des Wassers, das ein Symbol des Lebens ist, geschmückt. Vielmehr hat sich der Brauch aber zu einer Art kreativen Wettbewerb zwischen den vielen Orten verwandelt, der Jahr für Jahr tausende Touristen in die Fränkische Schweiz lockt.

Ursprünglich wurden die Brunnen relativ schlicht geschmückt - mit frischem Grün und bunten Eiern und Bändern.

Bäume und Zweige wurden auch schon seit der Entstehung der Osterbrunnen verwendet. Diese werden bei vielen religiösen Feiern, nicht nur zu Ostern, entsprechend geschmückt - man denke dabei vor allem an den Weihnachtsbaum oder an Hochzeiten. Zu Ostern werden sie dann mit dem Wunsch nach üppigem Gedeihen der Natur verwendet und österlich geschmückt. Am häufigsten werden hierbei Nadelbäume eingesetzt, aber, solange sie bereits grün sind, auch Birken. Zweige von Fichten, Tannen und Buchsbäumen können dann als geflochtene Girlanden in den Bögen und Kronen gefunden werden, die nicht Teil der ursprünglichen Tradition waren, sondern eher einen neueren Ursprung haben. So kommen neue und alte Traditionen zusammen.

Viele Brunnen werden aber neben Bäumen und Zweigen auch mit Blumen und Blüten geschmückt. Sie Symbolisieren den Frühling, das Erwachen der Natur und sind ein Ausdruck der Freude.

Eines der Hauptelemente, dass von Anfang an beim schmücken der Osterbrunnen eingesetzt wurde und das eigentlich das bekannteste Osterelement ist das Osterei. Eier Symbolisieren neues Leben und Fruchtbarkeit. Auch die Farben, mit denen die Eier bemalt sind, werden nicht zufällig ausgewählt. So symbolisieren rote Eier die Passionszeit, gelbe Eier wiederum Lebensfreude. 

Auch die sogenannten “Pensala”, bunte Bänder die zu einem Büschel zusammengebunden werden, sind ein Symbol der Lust am Leben. Ursprünglich wurden nur bunte Bänder zum schmücken der Brunnen verwendet, heutzutage sind große Schleifen dazugekommen. 

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