Burgruine Stierberg

Ansicht von Dorf und Burgruine Stierberg von Nordwesten - Copyright Wikipedia


ehemals reichsstädtisches Pflegschloss
Stadt Betzenstein, Ortsteil Stierberg

Der Name Stierberg erscheint erstmals 1187 mit der Nennung des Bamberger Domkanonikers Otnand de Stierberc. Ein Poppo von Stierberg wird 1188 und 1216 als Ministeriale des Hochstifts Bamberg bezeugt. Dass das Ministerialengeschlecht im 12. Jahrhundert die Burg erbaut habe, wie Hellmut Kunstmann vermutete, ist kaum anzunehmen. Vermutlich saßen sie als Dienstleute des Bamberger Bischofs auf der Burg. Die Feste selbst wird jedoch erst 1308 im Testament des Edelfreien Gottfried von Schlüsselberg erwähnt. Nur einige Jahre später taucht sie im ältesten bischöflichen Urbar von 1323/27 als „castrum“ des Hochstifts Bamberg auf, obwohl sie zu dieser Zeit bereits an die mit den Schlüsselbergern verwandten Landgrafen von Leuchtenberg gefallen war. Landgraf Ulrich von Leuchtenberg hatte sie schon 1316 dem Erzbischof Balduin von Trier zu Lehen aufgetragen, wohl um seinen Besitztitel gegenüber den Ansprüchen Bambergs zu sichern. Hellmut Kunstmann vermutete einen Übergang an die Schlüsselberger und Leuchtenberger im Zusammenhang mit dem Erbfolgekrieg nach dem kinderlosen Tod des Herzogs Otto von Meranien 1248.

Das Hochstift Trier behielt die Lehnsherrschaft bis 1356, als die Feste an Kaiser Karl IV. und damit an die Krone Böhmen verkauft wurde.

Die als Folge der erbitterten Fehde mit dem Bamberger Bischof angewachsenen Schulden zwangen die Landgrafen von Leuchtenberg, ihr nun böhmisches Lehen im Jahr 1400 an den Nürnberger Patrizier Peter Haller zu verpfänden, der sie der Reichsstadt militärisch zur Verfügung stellte. 1407 war die Burg jedoch wieder in der Hand der Landgrafen. Nach einem spektakulären Überfall leuchtenbergischer Söldner auf einen großen Kaufmannszug wurden die Landgrafen 1413 von den Burggrafen von Nürnberg, auf deren Geleitstraße der Übergriff erfolgt war, verklagt.

Um die Entschädigungssumme aufbringen zu können, verkaufte Landgraf Leopold von Leuchtenberg schließlich die Burg Stierberg mit allen Rechten und Zugehörigkeiten am 27. Januar 1417 an Pfalzgraf Johann von Neumarkt-Neunburg. Die Burg blieb nun bis zum Landshuter Erbfolgekrieg 1504 pfälzisch. Der Sohn des Pfalzgrafen Johann, König Christoph von Dänemark, hatte sie allerdings 1443 den Herren von Parsberg verpfändet. Das Pfand wurde erst 1482 durch Pfalzgraf Otto II. von Neumarkt-Mosbach ausgelöst.

Im Landshuter Erbfolgekrieg wurde die Burg am 2. Juli 1504 von den Nürnbergern eingenommen, ohne dass sie auf größere Gegenwehr gestoßen wären. Der pfälzische Viztum und Kriegshauptmann Ludwig von Eyb zu Hartenstein eroberte Stierberg jedoch im Oktober 1504 zurück, wobei es zu Schäden vor allem in der unteren Burg gekommen sein soll. Mit dem für Nürnberg siegreichen Ausgang des Erbfolgekriegs übernahm die Reichsstadt 1505 mit den westlichen pfälzischen Ämtern auch Stierberg. Die Burg wurde von 1505 bis 1513 in Stand gesetzt und zum Sitz eines reichsstädtischen Pflegamtes bestimmt. Auch das Amt Betzenstein, wo nach der Zerstörung der Burg 1420/21 keine Amtsräume zur Verfügung standen, wurde von Stierberg aus verwaltet [vgl. Betzenstein I]. Das Ende der Burg, an der laufend Reparaturen ausgeführt werden mussten, kam im Zweiten Markgrafenkrieg.

Nachdem sie bereits 1552 zweimal den Besitzer gewechselt hatte, erschien am 21. Mai 1553 Markgraf Albrecht Alcibiades mit seinen Truppen in Stierberg. Nach heftiger Beschießung wurde die Burg von den Nürnberger Kriegsknechten übergeben und vom Feind zerstört, indem die leicht brennbaren hölzernen Nebengebäude der unteren Burg in Brand gesetzt wurden. Die Reichsstadt hatte 1555 bereits mit einem Wiederaufbau begonnen, als die Bauarbeiten schon nach wenigen Monaten aufgegeben wurden. Zur Einsparung von Baukosten sollte der Pfleger sich eine Wohnung in der Stadt Betzenstein suchen [vgl. Betzenstein II]. Diese Entscheidung bedeutete das Ende der Feste. Während die obere Burg in Trümmern liegen blieb, wurden im 16. Jahrhundert wenigstens die Befestigungen der unteren Burg noch einmal repariert und dort ein Voithaus, ein Getreidekasten und diverse Wirtschaftsgebäude errichtet. Das Voithaus wurde 1778 wegen Baufälligkeit durch einen Neubau ersetzt; der Kasten verschwand vor 1799. Mehrere Quellen, auch der Stich von Leonhard Schlemmer, bezeugen, dass bei der Eingliederung des reichsstädtischen Territoriums 1806 in das Königreich Bayern noch ansehnliche Reste der Burganlage existierten. Die Befestigung der unteren Burg war von der Reichsstadt noch im 18. Jahrhundert baulich unterhalten worden. Im 19. und 20. Jahrhundert muss es zu großen Verlusten am Bestand gekommen sein, vermutlich weil man die Anlage als Steinbruch missbrauchte.

Die Burgruine liegt südöstlich des Dorfes auf einem Dolomitfelsriff. Die obere Burg drängte sich südlich der ehemaligen Zufahrt auf einem hoch über der unteren Burg aufragenden Felsen und bestand aus einem Turm und einem angefügten, in historischen Quellen Kemenate genannten Wohnbau oder Wohnturm. Nach der Überlieferung bestanden zumindest Teile der oberen Burg aus hochmittelalterlichem Werksteinmauerwerk, das sich nur noch in geringen Resten beobachten lässt. Die massive Umfassung des Turmes trug einst hölzerne Obergeschosse. Von den 1799 noch ansehnlichen Ruinen der oberen Burg sind heute nur noch wenige Spuren erhalten. Auf dem tiefer gelegenen Sattel zwischen dem Felsen der oberen Burg und einem nördlichen Felsriff erstreckte sich die untere Burg. Ein zu ihrer Sicherung nördlich angelegter Rundturm hat sich in einer Höhe von bis zu 6 Metern auf einem hoch aufragenden Felsen erhalten.
Die Burgruine Stierberg finden Sie am Ortsrand von Stierberg, direkt am Streuobstwanderweg des Bund Naturschutz.

Quellen - Stadt Betzenstein
StAAm OPf. Registraturbücher Nr. 13, fol. 419 f.

StAN Rst. Nbg., Briefbücher des Landpflegamtes Nr. 27, fol. 124.

Müllner III, S. 287, 370.


Literatur - Stadt Betzenstein
KDM Pegnitz, S. 515 f.

Kunstmann, Östliche Fränkische Schweiz, S. 460-481, mit Lageplan und Fotografien.

Rühl, Pegnitz, S. 91 f.

Stadtlexikon Nürnberg, S. 1043.

Voit: Obermain, S. 354 f.

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