Pfarrkirche St Martin

Martinskirche Forchheim

Pfarreigeschichte
Durch den karolingischen Königshof hatte Forchheim im 9. und 10. Jahrhundert auch eine hervorgehobene kirchenpolitische Bedeutung. Das hier errichtete Gotteshaus, eine königliche Eigenkirche und dem heiligen Martin von Tours als Schutzpatron der Franken geweiht, war Schauplatz der in Forchheim stattfindenden Synoden (z. B. 890) und Zentrum der Slawenmission sowie des Ausbaus der Kirchenorganisation (Urpfarrei) im mittleren Regnitztal. 976 schenkte Otto II. seine Königskirche dem Bistum Würzburg, das sie 1017 an das Bistum Bamberg vertauschte. 1354 erfolgte eine Umwandlung der Pfarrei in ein Kollegiatstift, d. i. eine Vereinigung von Weltgeistlichen. Die Säkularisation von 1803 hob das Stift auf und ersetzte es durch ein Stadtpfarramt.

Baugeschichte
Von der alten Königskirche ist heute zumindest über dem Erdboden nichts mehr zu sehen. Ein zweiter, spätromanischer Bau entstand etwa um das Jahr 1200; von ihm sind noch der südöstliche Kopf des Querhauses und eine darunterliegende Krypta erhalten, die vom rechten Seitenschiff aus zugänglich ist. Im 14. Jh. erfolgte ein grundlegender Aus- und Erweiterungsbau im hochgotischen Stil, auf den das heutige äußere Gesicht der Kirche im wesentlichen zurückzuführen ist. Der Turm (1406 erstmals genannt) trug ursprünglich einen gotischen Spitzhelm, der aber 1670 nach einem Brand des Glockenstuhls durch eine sog. welsche Doppelhaube ersetzt wurde. Das mächtige Satteldach der Kirche verdeckt seit 1540 die ehemals basilikale Anlage des Langhauses.

Außenbereich
Das Äußere der Kirche wird durch die drei Portale im Westen (Hauptportal), Norden und Süden sowie durch die sakralen Kunstwerke an der Chorseite im Osten geprägt. Letztere sind an der nördlichen Chorseite der Schmerzensmann, eine Steinplastik Nürnberger Herkunft von ca. 1370, am südöstlichen Chor der Ölberg, eine eindrucksvolle Steinplastik des frühen 16. Jhs. und zwischen beiden, am östlichen Chor, ein Kruzifix aus der gleichen Zeit, das wie der Ölberg dem Bamberger Bildhauer Hans Nußbaum zugeschrieben wird, sowie eine barocke Madonna (ca. 1745) des Bildhauers Reuß, die sich ursprünglich an der alten Regnitzbrücke befand. Das Hauptportal an der Turmseite im Westen zeigt rechts eine Pilgerdarstellung, darüber als kleinere Figur die hl. Barbara und links den hl. Eustachius in Rittergewandung (1380).

Innengestaltung
Das Kircheninnere stellt sich als dreischiffiges Langhaus in basilikaler Anlage mit einem lichten hohen Chorraum dar. Die gotische Struktur wird durch die barocken acht Altare kontrastiert, besonders den Hochaltar von 1698: Wir sehen in seinem Sockelbereich das heilige Kaiserpaar Heinrich und Kunigunde, im Altarblatt die Mantelteilung des hl. Martin (als Bischof) und im Bild darüber die Krönung Mariens, flankiert von den Heiligen Sebastian (links) und Rochus. Die Gemälde stammen von Sebastian Reinhard, die plastischen Figuren vom Holzbildhauer Sebastian Degler. Kunsthistoriches Highlight des Innenraumes sind jedoch die gotischen Tafelbilder des Mittelschiffs, die auf der Vorderseite die Passion Christi, auf der Rückseite die Legende des hl. Martin darstellen; es handelt sich um Flügel des ursprünglichen Altars von ca. 1480/85.

Ausführliche Beschreibung im Kirchenführer; erhältlich am Schriftenstand der Martinskirche.

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