Balthasar Neumann

Portrait Balthasar Neumann

Balthasar Neumann (1687 bis 1753)

Keines anderen Baumeisters Werke begegnen uns so häufig am Main wie diejenigen Balthasar Neumanns, des großen Vollenders des Barock, der von Würzburg aus seine Glanzlichter in die fränkischen Lande setzte. Gleich ein gutes Dutzend seiner Schlösser und Kirchen zeugen sowohl von seinem mathematisch-technischen als auch von seinem künstlerischen Talent. Deshalb wird er als der Baukünstler des 18. Jahrhunderts bezeichnet.
Bei seiner Geburt am 30. Januar 1687 war nicht absehbar, welch außergewöhnliche Karriere dem jungen Johann Balthasar einmal winken sollte. Der aus Eger (der Stadt im bayrischböhmischen Grenzland, in der ein halbes Jahrhundert zuvor der kaiserliche General Wallenstein ermordet wurde, heute: Cheb, Tschechien) stammende siebte Sohn eines Tuchmachers begann mit 13 Jahren eine Lehre bei seinem Patenonkel Balthasar Platzer als Geschütz- und Glockengießer und wurde zum Kanonengießer ausgebildet - in den damaligen kriegerischen Zeiten ein Beruf mit Perspektive.
Im Jahre 1711 verließ der junge Neumann seine Vaterstadt und ging nach Würzburg, wo er in der bekannten Gießhütte des Ignatz Kopp eine Arbeit annahm und sich gleichzeitig zum Fortifikationsingenieur weiterbildete. Mit welchem Ernst er nebenher aber auch schon das Studium der Zivilarchitektur betrieb, zeigt das Instrumentum Architecturae, das er 1713 entwickelte, einen Proportionalzirkel, mit dem er die Maßverhältnisse der verschiedenen Säulenarten für den Praktiker bequem ablesbar machte. Er war auf unserem 50-Mark-Schein links neben Neummanns Porträt abgebildet. Bald darauf lernte er dort den Ingenieurhauptmann und Architekten Andreas Müller kennen. Auf Müllers Anraten lernte er Geometrie und Feldmesserei. Schließlich besuchte Neumann 1714 die Artillerieschule, lernte Französisch, Italienisch und Spanisch und wurde Geschützjunker und Adjutant seines Lehrers. Um sein Studium vollbringen zu können, richtete Neumann insgesamt drei Bittschreiben um ein Darlehen an den Stadtrat seiner Heimatstadt Eger und immer wurde ihm das Darlehen zugesagt. Das in Neumann schlummernde Talent wäre wohl nie zur Entfaltung gekommen, hätte er nicht das Glück gehabt, im Dienste der bauwütigsten und kunstsinnigsten deutschen Herrscher seiner Zeit zu stehen, der Fürstbischöfe und Kurfürsten aus dem Hause Schönborn, die neben Würzburg noch in so wichtigen Machtzentren wie Bamberg, Mainz, Trier und Wien residierten. Dem vom Bauwurm infizierten Familienclan war mit sicherem Blick die Begabung des böhmischen Ingenieurs aufgefallen, wie der Briefwechsel des Fürstbischofs mit seiner Verwandtschaft zeigt. Die glänzende Karriere Neumanns wurde daraufhin zum Musterbeispiel absolutistischen Mäzenatentums in dem Sinne, daß gezielt in einen Star investiert wurde, der ein solcher nur erst zu werden versprach. Johann Philip Franz Graf von Schönborn (Fürstbischof in Würzburg) beauftragte Neumann mit den Vermessungen und Planungen der neuen Bischofsresidenz. Die Grundsteinlegung erfolgte im Februar 1720. 1724 starb der Bischof und sein Nachfolger, Christoph Franz von Hutten, ließ an der Residenz nur die notwendigsten Arbeiten ausführen. Im Jahre 1725 heiratete Neumann die Tochter des Geheimen Hofrats Dr. Schild, 1729 kam wieder ein Schönborn auf den Bischofsstuhl, Friedrich Karl Graf von Schönborn, und ließ die Arbeiten an der Residenz fortführen. In der Zwischenzeit war Neumann für andere Auftraggeber tätig - das Deutschordensschloß in Bad Mergentheim, Kirche und Probstei in Holzkirchen und andere Bauten wurden geplant und begonnen. Aber seine Hauptaufgabe blieb die Fortsetzung der Bauarbeiten an der Residenz. Die Hofkirche im Südschloß wurde ein Glanzstück fränkisch-barocker Baukunst, das Treppenhaus im Kaiserpavillon mit einer stützenlosen Überwölbung von 600 qm Raum wurde eine besondere künstlerische und technische Leistung Neumanns. Der Kurfürst von Trier übertrug ihm für mehr als 20 Jahre die Oberaufsicht über das gesamte Zivil- und Militärbauwesen im Hochstift Würzburg und Bamberg. Im Jahre 1741 wurde Neumann zum Obristen der fränkischen Kreisartillerie ernannt - der höchste Dienstgrad, den das Hochstift Würzburg zu vergeben hatte. Neumann ist das klassische Beispiel eines Frühvollendeten. Schon sein Erstlingswerk, die Schönbornkapelle, enthielt in vollendeter Manier die Leitidee seines Kirchenschaffens, den mittels Rotunde kurvierten Raum, wobei speziell die auf Säulenpaaren ruhenden Neumann-Arkaden seiner persönlichen Architektursprache Ausdruck gaben: Eine Rotunde ist in ihrer Urform quasi eine Dose: Auf einem kreisrunden oder ovalen Mauerzylinder sitzt wie ein dazu passender Deckel ein Gewölbe von gleichem Grundriß. Als Teil eines größeren Raumes sind die Wände der Dose natürlich überwiegend ausgespart, die Kuppel ruht auf Säulen o.ä. Wo eine Rotunde an einen benachbarten Raumteil grenzt, wird sie durch eine Arkade (Bogen auf zwei Stützen) geöffnet. Während diese nun in rechtwinkligen Räumen geradlinig verläuft, beschreibt im kurvierten Raum der Arkadengrundriß einen Bogen und es entsteht eine sphärisch gekrümmte Bogenarkade, eben jene o.g. Neumann-Arkade.
Als drittes Element des Neumannschen Repertoires sind noch die Säulenpaare zu nennen, die allein schon ein Leitmotiv seiner Architektur sind. Dieses höchste Würdemotiv der Architektur begegnet uns nicht nur in Innenräumen, schon an der Schönbornkapelle ist auch das Portal von zwei (Halb-) Säulenpaaren flankiert, man beachte auch die Portale der Residenz. Aus diesen drei Elementen nun setzt sich der Generalbaß des neumannschen Kirchenschaffens zusammen, die Vier-Arkaden-Rotunde mit Säulenpaaren, die der Meister in der Bandbreite zwischen opulentem Barockdekor und schlichter Beschränkung auf die architektonische Form beherrschte. Dieses Neumann-Motiv schlechthin begegnete uns übrigens fast täglich, nämlich auf der Rückseite des 50-Mark-Scheins: Die Grundrißzeichnung in der rechten unteren Ecke der Rückseite stellt die Vier-Arkaden-Rotunde mit Säulenpaaren dar, wie sie in der Kitzinger Kirche ausgeführt wurde. Man konnte gut die in die Vierung eingefügte Rotunde mit den vier Säulenpaaren erkennen, zwischen denen der runde Grundriß den gewölbten Schwung der Arkadenbögen nachzeichnet. Neumann nahm die Statik so ernst wie den schönen Schein, ein Novum in der barocken Baukunst, deren Denkmäler häufiger von selber in die Knie gingen als durch Kanonenbeschuß. Bester Beweis ist das Treppenhaus der Würzburger Residenz mit dem größten freitragenden Deckengewölbe nördlich der Alpen, das als zentrales Bauteil den Erschütterungen des Luftangriffs vom 16. März 1945 standhielt, während der Rest der Residenz mit dem Großteil der Stadt in Trümmer fiel. Zweiflern hatte Neumann zweihundert Jahre zuvor übrigens angeboten, die Festigkeit des Gewölbes mit Kanonendonner zu testen, worauf der fürstbischöfliche Bauherr aber im Vertrauen auf Gott und seinen Neumann verzichtete.
Sechs Fürstbischöfe erlebte Neumann in seiner Tätigkeit in Würzburg, von denen ihn vier förderten und zwei hemmten. Außer der Residenz hat er neben zahllosen Profanbauten an über 100 Kirchen als Planer, Bauleiter oder Berater mitgewirkt - unter anderem die Schönbornkapelle am Würzburger Dom, die Hofkirche und das Käppelle, Abteikirche in Münsterschwarzach, die Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen und die Abteikirche Neresheim. Auf dem Deckengemälde von Giovanni Battista Tiepolo im Treppenhaus der Würzburger Residenz ist auch Balthasar Neumann zu sehen - auf einem Kanonenrohr sitzend. Balthasar Neumann starb am 19. August 1753 in Würzburg. Am 22. August 1753 trug man ihn mit allen, einem Kreisobristen zustehenden Ehren zu Garbe. Als der Sarg in die Gruft gesenkt wurde, gab das Bataillon Feuer. Und von der Festung Marienberg dröhnte der Trauersalut über das fränkische Land.

Quelle: Balthasar Neumann Online

Münsterschwarzach
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