St. Rupertuskapelle bei Obernsees

Östlich, außerhalb des Ortes gelegen, an der Kreisstraße nach Bayreuth, Abzweigung Frankenhaag, steht die St.-Rupert-Kapelle. Umgeben von einer alten Friedhofsmauer und mächtigen Linden hat sie eine idyllische Lage.

Die Vorfahrin der Rupertskapelle ist wahrscheinlich eine uralte Kultstätte an der dort befindlichen mineralhaltigen Quelle. In christlicher Zeit wurde durch die Errichtung einer dem Apostel der Bayern, Rupert, geweihten Kapelle der alte Kultus christianisiert. In einer Pfarrbeschreibung von 1811 ist zu lesen: "Die Rupertkapelle ist eines der ältesten kirchlichen Gebäude der ganzen weiten Umgebung, im Jahre 1080 erbaut vom Bischof Ruprecht in Bamberg."

Diese Kapelle gehörte zum Archidiakonat Hollfeld, das bereits 1017 genannt wird. Der Chorraum in seiner jetzigen, spätgotischen Gestalt aus dem Jahr 1479. Seine Altäre sind noch erhalten. Auf dem Hauptaltar befand sich ein Kruzifix, von dem sich abergläubische Personen Späne zu Amuletten abschnitten. 
  1710 wurde das Kirchenschiff erweitert und die Kirche mit ihrem Zwiebelturm versehen. Nur eines der schönen Ölgemälde, die die Felder an den Emporen ursprüglich zierten, ist heute noch erhalten. Die darunter stehenden Bibelsprüche jedoch sind alle ursprünglich.

Inschrift über dem Nordportal: C E M Z B = Christian Ernst, Markgraf zu Bayreuth - erweitert und erhöht: A.C. MDCCX = 1710.

Unter Pfarrer Thiermann, in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts, wurde die Kapelle eingehend erneuert und mit allerlei Malerei verziert. Um die unaufhörlichen Beschädigungen zu verhindern, wurde der eigentliche Kirchenraum mit einem großen Eisengitter abgeschlossen. 
Als einmal ruchlose Diebe die drei Glocken der Kirche stahlen, musste der Gottesdienst von der Mutterkirche Obernsees eingeläutet werden, bis der Brauereibesitzer Maisel wieder eine Glocke stiftete.

Als vertriebene Salzburger 1731 an der Rupertskapelle vorbeizogen, hielt man ihnen vom Altar aus eine Bewillkommnungs- und Trostrede, die sie unter vielen Tränen anhörten. St. Rupert ist der Schutzheilige des Salzbergbaus.

Durch den einheimischen Künstler Fritz Föttinger wurde die Figur von St. Rupert neu in Ton gestaltet und bei der Wiedereinweihung der Kapelle der Kirchengemeinde übergeben. St. Rupert, Stammheiliger der Bayern, ist zugleich Schutzpatron der Salzbergwerke. Aus diesem Grund ist auch die von Fritz Föttinger erstellte Figur mit einem Krug verbunden, der voll mit Salz gefüllt ist.

Heute umgeben vier mächtige Linden die Kapelle und prägen ihre idyllische Lage. Weitere drei alte Linden wurden 1894 gefällt. Die oberfränkische Zeitung sprach in diesem Zusammenhang von einem Vandalismus.

Unter den Linden um St. Rupert wurde im Jahr 1962 das Kriegerdenkmal für die Gefallenen der beiden Weltkriege errichtet.

Noch heute werden viele Geschichten über die wundersame Hilfe St. Ruperts erzählt.

So bekam einst eine ehrbare Frau erst dann ein Kind, als sie sich in ihrer Not an St. Rupert wandte. Ein reicher Bauer, der einen blinden Sohn hatte, gelobte zwei Ochsen, falls der Sohn wieder sehend würde. Als er sich der Kapelle näherte, geschah auch dieses Wunder - nun aber glaubte der Bauer, nichts mehr geben zu müssen und trieb die Ochsen wieder heim. Sein Sohn aber wurde wieder blind.

Viele Menschen schätzen auch heute die besondere Qualität des Wassers der Quelle vor dem Kirchhof. Sie kommen oft aus der weiteren Umgebung, um dort zu schöpfen und sich zu erfrischen.

Die Altehrwürdigkeit und die schöne Lage der Kapelle, als auch ihr schmucker, zur Andacht einladender Innenraum, führten dazu, dass in letzter Zeit manch junges Paar seine Ehe dort unter Gottes Segen stellt.

In St. Rupert gibt es keinen Stromanschluss, die Gottesdienste werden im Kerzenschein gehalten. Auch die Orgel muß noch getreten werden. In den Sommermonaten Mai, Juni, Juli, August findet jeden Samstagabend um 19.30 Uhr eine Abendandacht statt. Diese Andacht hat großen Zuspruch aus der näheren und weiteren Umgebung sowie der Feriengäste.

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