Schofmelkerkerwa in Kühlenfels bei Pottenstein

Schofmelkerkerwa Kühlenfels – Ein einzigartiger Brauch in der Gemeinde Pottenstein in der Fränkischen Schweiz

Kirchweih, im Volksmund auch "Kerwa" oder "Kirwa" genannt, hat in der Fränkischen Schweiz eine schon Jahrhunderte alte Tradition und gehört in jedem noch so kleinen Ort mit einer Kirche oder Kapelle zum festen Bestandteil der Brauchtumspflege im Jahreslauf. So auch in Kühlenfels, einem Ortsteil der Stadt Pottenstein, wo alljährlich eine der größten Kirchweihen in der Fränkischen Schweiz mit jährlich Tausenden von Besuchern über fünf Tage hinweg ausgelassen gefeiert wird. Höhepunkte des Kerwatreibens in Kühlenfels sind heute wie damals der traditionelle "Schofmelkerumzug" der Kerwaburschen am Kirchweihmontag, die seit fünf Jahren durchgeführte Kirchweiholympiade am Sonntag mit Gaudiwettkämpfen und natürlich das Aufstellen der Kerwabaumes am Samstagnachmittag. 
Wann genau die "Kerwagaudi" ihren Ursprung in Kühlenfels hat, weis heute so recht niemand mehr. Der "Hausers Friedel" kann sich nach Überlieferungen aber noch erinnern, dass es schon im Jahre 1912 die sogenannten "Schofmelkerumzüge" in Kühlenfels gegeben hat. Freilich, sagt Friedrich Neuner, wie der Hauser bürgerlich heißt, waren die Umzüge am Kerwamontag zu jener Zeit schöner als er noch Kerwabursche gewesen ist. Da kamen noch mindestens 1000 Leute nach Kühlenfels um am Montagnachmittag das Spektakel mitzuerleben. Heute hat das alles nachgelassen. Nachgelassen jedoch hat wohl nicht die Intensität früherer Zeiten. Da verkleiden sich die Kerwaburschen noch genauso wie eh und je, auch der Frühschoppen – der übrigens der längste der Welt sein soll - beginnt schon frühmorgens und dauert mindestens bis Mitternacht und die Mädchen und Frauen werden immer noch so rasiert wie in alter Zeit. Auch am Austanzen des Kerwabaumes nach dem Umzug hat sich nichts geändert. Wie der Pottensteiner Allgemeinarzt und Sportvereinschef Dr. Franz Macht, der heute einer der Hauptakteure der Kirchweih ist, von der "Kerwa in Kühlenfels" zu berichten weis, geht der Name "Schoofmelker" auf die armen Bauern der Kühlenfelser Jurahochebene zurück. Die "Külmerser", so wie die Kühlenfelser im fränkischen Sprachgebrauch heißen, waren früher ganz arme Leute, die sich keine Kuh leisten konnten. Deshalb wurden die genügsameren Schafe gemolken und schon schnell hatten die Kühlenfelser in der Umgebung den Namen "Schoofmelker" weg. Wann der erste Umzug der "Schoofmelker" stattgefunden hat, weis auch der Dr. Macht nicht mehr genau. Es existieren aber noch Bilder nach dem Ersten Weltkrieg, das älteste aus dem Jahr 1918, die dieses Kirchweihtreiben belegen. Auch im Zweiten Weltkrieg stellte man den Brauch nicht etwa ein, da gibt es ebenfalls Fotos, wo der Umzug, der heute etwa zwei Kilometer lang ist, mit einem Armee Jeep gemacht wurde. "Und unser Doktor", für den die das Kerwa Non-Plus-Ultra ist, "nimmt mindestens zwei Wochen Auszeit", sagte einer der Kerwaburschen am Kirchweihmontagnachmittag beim Kerwaumzug durch das Dorf. Einer der Höhepunkte der Külmerser Schofmelker-Kerwa ist eben noch heute der traditionelle Schofmelkerumzug, bei dem nicht nur jedes eingefangene weibliche Wesen mit einer geheimen Mixtur aus Schlagsahne, Bier und anderen Zutaten rasiert wird, sondern bei dem natürlich auch das Schaf nicht fehlen darf. Dabei haben die Krewaburschen, die seit fünf Tagen unter "Strom" stehen, einen Riesenspaß mit dem toll geschmückten Kerwawagen auf dem diesmal Norbert Seybold mit dem Akkordeon und Sebastian Polster mit der Tuba für den richtigen Klang der Kerwaliedla sorgten. Fehlen bei solch einer Gaudi dürfen natürlich auch nicht die Külmerser Originale wie "Alter Mann", alias Frank Eckert und "Alte Frau", alias Manuel Speckner, sowie die beiden Schafhirten, die heuer von Raimund Zitzmann und Thomas Linke gemimt wurden. Als "Frisöre" fungierten Jörg Arnold und Daniel Wiegärtner die in der Manier früherer Bader die Gesichter der Damen wieder zum glänzen brachten. Da braucht es eben kein Make-up mehr, enthält doch der Rasierschaum angeblich genügend Proteine die der Gesichtshaut Spannkraft verleihen. Zudem kam auch keiner der Passanten umhin, einen kräftigen Schluck aus der Gieskanne der Kerwaburschen zu nehmen in dem sich ein alkoholisch-weinhaltiger Fitnesstrank befindet um auch noch den letzten Kerwatag einigermaßen zu überstehen. Durch nichts und niemanden lassen sich die Kühlenfelser ihr Kerwamontagsnachmittagsgaudium verderben. Da kommt es schon einmal vor, das ein Linienbus auf offener Straße "überfallen" wird und die darin befindlichen weiblichen Wesen zum "Rasieren" abgeschleppt werden. Der Fahrer ist machtlos, auch wenn er nach seinem Handy greift und auf die Uhr zeigt. Der Bus wird geentert und alle Autos mit weiblichen Insassen werden gekapert. Dadurch wird so regelmäßig am Kerwamontag ein Verkehrsstau in Kühlenfels verursacht gegen den selbst die Polizei machtlos wäre. Auch auf welchen Ursprung der Brauch des Rasierens der holden Weiblichkeiten zurückgeht, ist nicht mehr bekannt. Es war halt schon immer so und so wird`s auch bleiben, ist sich einer der Akteure sicher. Der Rasierschaum besteht aus einer Mischung von süßer Sahne und Bier sowie weiteren Zutaten, die nicht verraten werden. Dies soll ein Geheimrezept bleiben das lange überliefert ist. Als Rasierklinge dient den beiden mit weißen Kitteln und Strohhut bekleideten Frisören ein Holzspatel, mit dem natürlich niemand verletzt werden kann. Dieser Brauch ist einzigartig und sonst nirgends in der Fränkischen Schweiz zu finden und schon deshalb erhaltenswert. Unbedingt muss man auch einen tiefen Zug aus der 10 Liter Gießkanne nehmen, wenn man dazugehören will. Mit im Festzug befinden sich natürlich auch die "Schoofmelker" selbst. Zwei Kerwaburschen mit dem Nötigsten aus Schafwolle bekleidet laufen seit jeher angeheitert mit einem leibhaftigen "Betzen" hinter dem "Ehepaar", bei dem der Mann meist als Mohr geschwärzt ist, her. Fehlen darf bei der "Alten Frau" natürlich nicht der fränkische Huckelkorb aus Weidengeflecht und die original Fränkische Tracht, die heute noch die älteren Frauen teilweise tragen. Schade, das diese einfache Tracht im heutigen High-Tech-Zeitalter immer seltener wird, hat sie doch früher eine gewisse Gemütlich- und Urigkeit vermittelt. Einer aus dem angrenzenden Waidacher Ortsteil "Rabertshof", das gleich neben "Külmers" liegt, besteht darauf, dass auch erwähnt werden soll, dass "Rabertshof" schon immer die Kerwa in Kühlenfels mitgefeiert hat. Dies sind alles kleine Eindrücke, die man bei der Kühlenfelser Kirchweih auch am Rande mitbekommt. Die "Kerwa" jedenfalls dauert immer von Donnerstag bis Mittwoch, wobei am Mittwoch die "Kerwaleiche" in der Lindenallee ihre letzte Ruhestätte mit Bier, Schnaps und anderen einzugrabenden alkoholischen Getränken bis zum nächsten Jahr, wenn es wieder heißt: "Auf geht’s zur "Külmerser Schofmelker-Kerwa", finden wird. Dr. Franz Macht ist dann zum letzten Mal aktiv. Er beerdigt als "Pfarrer" die "Kerwa in Külmers."

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