Historischer Rundgang durch die Stadtgeschichte von Waischenfeld

Rechtzeitig vor Beginn der kommenden Fremdenverkehrssaison ist er fertig, der historische Stadtrundgang durch Waischenfeld mit 18 Stationen auf einer Länge von etwa drei Kilometern. Eine Wanderung durch die Geschichte des Wiesenstädtchens dem 1315 von König Ludwig dem Bayern auf Fürsprache seines Waffenbruders Konrad III. von Schlüsselberg die Markt- und Stadtrechte verliehen wurden.
Verantwortlich für den historischen Rundgang, zu dem an 18 historischen Gebäuden der Stadt ebenso historische Emailschilder einer Firma aus Norddeutschland angebracht wurden und nun auch ein farbiger Hochglanzprospekt im Westentaschenformat mit Bildern und Beschreibung der historischen Gebäude sowie einer kleinen Wanderkarte auf der Rückseite mit einer Erstauflage von 5000 Exemplaren erschienen ist, zeichnet die städtische Tourist-Information und des Arbeitskreises der Zimmervermieter. Gekostet hat der neue Rundwanderweg rund 3000 Euro. Angeregt im Stadtrat hatte die Verwirklichung des gelungenen Werks für Touristen und Einheimische gleichermaßen Stadträtin Karin Landmann und das Design der 12-seitigen Broschüre entwarf Jürgen Albrecht von der Bayreuther Werbeagentur "JA zur Werbung". Ausgangspunkt des nummerierten historischen Rundgangs durch die Stadt ist das markante, im Kern noch mittelalterliche Rathaus das im Schwedenkrieg 1633 ausbrannte und nach den Kriegswirren nach altem Vorbild wieder aufgebaut wurde. Von 1877 bis 1879 wurde das Rathaus mit dem markanten Glockenturm umgebaut. Es diente mit zwei Klassenzimmern danach auch als Schule und im Erdgeschoss – wo heute das Fremdenverkehrsamt untergebracht ist – befand sich das sogenannte "Kasperloch" – das Stadtgefängnis. Noch heute erinnert das allabendliche Läuten der Rathausglocke daran, dass die "Stadttore in Kürze geschlossen werden". Weiter geht es vom Rathaus zur Stadtmühle mit einem der größten unterschlächtigen Wasserräder der Fränkischen Schweiz das noch heute in Betrieb ist um die Energie für die Mühle zu liefern. Diese ist seit 1698 im Besitz der Familie Wehrl.1948 brannte die Stadtmühle bis auf die Grundmauern nieder, ein Jahr später wurde sie in der heutigen Form wieder aufgebaut. Die nächste Station ist das erstmals 1664 erwähnte Kommunbrauhaus in dem noch bis 1982 Bier gebraut wurde. Die Nummer 4 trägt das sogenannte "Alte Barthelshaus" in der Vorstadt mit einem barocken, eigentlich in Unterfranken typischen, Fachwerkgiebel mit muschelartigen Elementen die einmalig in dieser Region sind und das um 1700 entstanden ist. Weiter führt der historische Rundgang zum Elisabethenheim dessen Ursprung auf die Initiative des Stadtpfarrers Wilhelm Spengler zurückgeht und mit dessen Bau 1912 als "Kleinkinderbewahranstalt" begonnen wurde. Noch heute ist das staatliche Gebäude, in dessen Untergeschoss inzwischen eine Gruppe des katholischen Kindergartens untergebracht ist, Zweigstelle der Ordensschwestern aus der Kongregation der Dienerinnen von der heiligen Kindheit Jesu aus Oberzell bei Würzburg. Nächste Station ist die 1387 erbaute Hammermühle mit der oberen und unteren Mühle in der wahrscheinlich ursprünglich Eisenerz verarbeitet wurde. Nachweisen lässt sich bisher allerdings nur noch die Funktion als Getreide- und Sägemühle, letztere besteht neben der touristischen Nutzung (auch als eine von zwei Fliegenfischerschulen in Waischenfeld) als Sägewerk noch heute. Danach ist ein längerer Fußmarsch durch die langgezogene Dooser Straße steil bergauf über den Greiner zum heutigen Stadtfriedhof zurückzulegen. Dort steht die Friedhofkapelle die 1697 von der Familie Schmitt errichtet wurde und die Johann Josef Hofknecht – ein Nachfahre der Erbauerfamilie – 1929 grundlegend renoviert und die Kreuzigungsgruppe, das Marienbild sowie die vierzehn Nothelfer vom Waischenfelder Kunstmaler Hans Braun gestalteten ließ. Weiter geht es zum Wahrzeichen Waischenfelds, dem "Steinernen Beutel" (erbaut 1444), dem Übrigbleibsel der einst mächtigen Rüssenbacher Burganlage dessen zweiteiliges Burggut 1580 die derer von Eyb übernahmen. Ein weiterer Rest dieser einst gewaltigen oberfränkischen Wehranlage ist das heute als "Burg Waischenfeld" bezeichnete ehemalige "Oberamtsschloss" in Stadtbesitz, in dem sich nun die Burgschänke, Burggalerie, Schützenstube und der Stadtratssitzungssaal befinden. Von dort aus führt der Rundgang hinunter zum heutigen katholischen Pfarrhaus auf dessen Gelände ursprünglich der Wehr- und Wohnturm der Vorburg stand. Station 11 ist die unweit davon gelegene Stadtschule die zwischen 1702 und 1708 erbaut wurde. Das Dutzend an historischen Gebäuden macht die neben dem Schulhaus gelegene Pfarrkirche St. Johannes der Täufer voll die 1585 geweiht wurde. Erbaut wurde die Stadtkirche schon viel früher, denn den Chor stiftete der Wiener Bischof Friedrich Grau (Nausea), der berühmteste Sohn der Stadt. In den Jahren 1552 bis 1554 wurde das schlichtere Langhaus angefügt und die barocke Fassade stammt von Baumeister Wenzel Schwesner, einem Vorfahren von Altbürgermeister Hans Schweßinger. 1896 erfolgte dann die Innenrenovierung in neugotischem Stil. Nächste Station ist die dahinter gelegene Annakapelle mit Ossarium, dem Beinhaus, in spätgotischem Stil, die ursprünglich als Friedhofskapelle diente. 1837 wurde der Stadtfriedhof rund um die Pfarrkirche aufgelassen und die Gebeine in das Untergeschoss der Annakapelle eingelagert. Von dort aus führt der Rundweg steil bergab, hinunter in die Hauptsraße zum Geburtshaus von Bischof Nausea in dessen Untergeschoss heute die Metzgerei Junk beheimatet ist. Jedenfalls soll das ursprüngliche Geburtshaus, das 1632 im Schwedenkrieg abbrannte, hier gestanden haben. Geboren wurde Bischof Nausea hier als Friedrich Grau im Jahre 1490. Das nächste historische Haus ist die Bäckerei am Marktplatz aus dem 16. Jahrhundert in der ursprünglich eine Gastwirtschaft war. Die Steinkugel in der Fassade über der Ladentür erinnert an den Schwedenkrieg im Jahre 1632. Station 16 ist dann die im Innenraum beeindruckende und reich verzierte Stadtkapelle St. Michael und St. Laurentius dessen erster Bau auf das 15. Jahrhundert zurückgeht. Nach der Zerstörung im Schwedenkrieg 1632 blieb nur noch der Chor erhalten, das heutige barocke Langhaus wurde 1707 angefügt und die barocke Innenausstattung mit der auffälligen Rosenkranzmadonna stammt von Johann Michael Doser aus Auerbach. Gleich dahinter liegt das katholische Pfarrheim, ein reich verziertes Fachwerkhaus das 1514 als Hospital von Eberhard von Rabenstein gestiftet wurde. Über Jahrhunderte hinweg fanden in dem Stadtspital Arme, Alte und Kranke Aufnahme. Letzte Station des historischen Stadtrundgangs ist die um 1800 erbaute Geißelkapelle mit dem gegeißelten Christus darin, die wie weitere zahlreiche Kapellen, Bildstöcke, Flurkreuze und Marterln ein Spiegelbild der Waischenfelder Volksfrömmigkeit ist. Das Prospekt mit der Wegebeschreibung ist ab sofort zu einer Schutzgebühr von einem Euro in der Tourist-Information des Rathauses erhältlich und ein weiterer historischer Rundgang durch die Außenorte der Stadtgemeinde ist bereits in Arbeit. Man darf schon jetzt darauf gespannt sein.

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