Köttweinsdorf

Historische Ansicht

Chronik von Köttweinsdorf

Von Karl Heinz Martini

Mitten in der romantischen Fränkischen Schweiz, rund fünf Kilometer nördlich von Behringersmühle, liegt auf dem Höhenrücken zwischen dem Ailsbach- und dem Wiesenttal, etwa 450 m über dem Meer und gut 100 m über dem Talgrund, die Ortschaft Köttweinsdorf, angelegt als fränkisches Reihendorf. Man kann es vom Wiesenttal aus über Rabeneck und Eichenbirkig und vom Ailsbachtal her über die Abzweigung bei Unterailsfeld erreichen. Die ersten Ansiedlungen entstanden wohl um die Jahrtausendwende. Im Jahre 1109 wurde Köttweinsdorf bereits urkundlich erwähnt. Es gehörte damals zur Pfarrei Nankendorf, später zu Kirchahorn. Bei der Gründung der Pfarrei Oberailsfeld im Jahre 1474 wurde es als Köttmanndorf zur Pfarrei gehörend aufgeführt. Auch der Name Köppersdorf taucht im Laufe der Zeit auf; mundartlich wird Köttweinsdorf heute noch so genannt. Am Tag der Einweihung der neuen barocken Pfarrkirche in Oberailsfeld, am 20. August 1780, zählt Köttweinsdorf 22 Häuser. Auch in den folgenden Jahren vergrößert sich der Ort nicht. 1884 wird es als"Dorf auf einem Berg links des Wiesentflusses mit 22 Häusern beschrieben. 1908 sind es erst 24 Häuser. Köttweinsdorf bildete zusammen mit Rabeneck und Eichenbirkig vor der Gebietsreform die politische Gemeinde Rabeneck. In der Freiwilligen Feuerwehr Rabeneck und in der Jagdgenossenschaft Rabeneck ist diese Struktur heute noch lebendig. Seit dem 1.7.1972 gehört Köttweinsdorf als Ortsteil zur Stadt Waischenfeld, die 1976 die Ortsdurchfahrt und 1978 die Straße nach Unterailsfeld ausbauen ließ. Es zählt heute 42 Häuser, davon 12 als Ferien- bzw. Wochenendwohnungen, letztere zum Großteil in einem Neubaugebiet in der Breitenloh am südwestlichen Ortsrand, und 162 Einwohner, davon 124 mit erstem und 38 mit zweitem Wohnsitz. Die Grundschüler fahren mit dem Schulbus nach Kirchahorn, die Hauptschüler nach Waischenfeld.

Die liebliche Landschaft lockt namentlich im Sommer viele Besucher und Wanderer an, wenngleich blühende Wiesen und fruchtbare Felder nicht darüber hinwegtäuschen dürfen, daß der Landwirt seine Ernte in hartem Tagwerk der kargen Jurahochfläche abringen muß und der Forstwirt in den bewaldeten Hängen schwere Arbeit leistet. Ein beliebtes Wanderziel ist die Weiße Marter, eine barocke Votivstele aus dem 18. Jahrhundert, die der Kronacher Metzgermeister Otto Wich aufgrund eines Gelübdes im Jahre 1769 am Wallfahrtsweg von Kronach nach Gößweinstein errichten ließ. Sie liegt nur rund einen Kilometer südöstlich von Köttweinsdorf. Von hier aus bietet sich dem Betrachter bei schönem Wetter ein herrlicher Blick über das Ailsbachtal genau nach Süden auf die Wallfahrtsbasilika in Gößweinstein. In entgegengesetzter Richtung erhebt sich in der gleichen Entfernung vom Ort am westlichen Rand der Gemeindegemarkung eines jener Felsengebilde aus Dolomitgestein, die für die Fränkische Schweiz so charakteristisch sind. Es gleicht einem Tor, das bei fehlendem Bewuchs den Blick auf das Wiesenttal freigibt, und es wird nach August Sieghardt, dem wanderfreudigen Kenner und wortreichen Schilderer der Landschaft, Sieghardtfelsen oder Sieghardttor genannt. Nach diesem Naturdenkmal heißt der 1963 gegründete Schützenverein des Ortes Schützengilde Sieghardtor Köttweinsdorf.

 

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