Löhlitz

Historische Postkarte

Löhlitz ist ein Ort mit einer interessanten und für unsere Landschaft charakteristischen Geschichte. Der Ortsname (1380 Lelaycz, 1398 lelaz, 1422 leleitz, leletz, 1452 Lelicz, seit 1692 als Löhlitz urkundlich überliefert) ist slawischen Ursprungs und bedeutet -Leute, Angehörige des Lelek-. Er war der namengebende Anführer jener slawischen Familien, die sich hier niedergelassen haben. Wann dies geschehen ist, kann man nur vermuten. Jedenfalls wurden im Mittelalter Slawen als geschickte Rodungsbauern angeworben und häufig bei uns angesiedelt. Die Slawengräber am Löhlitzer Anger haben aber nichts mit ihnen zu tun, denn sie stammen aus der vorgeschichtlichen Eisenzeit des 6. Jhdts. v. Chr. Damals hat man die Toten in Grabhügeln bestattet. Die Siedlung dieser Menschen wird nicht weit davon entfernt gewesen sein. Der Grund, warum man schon zu dieser frühen Zeit, aber auch im Mittelalter hier gesiedelt hat, liegt vermutlich im Vorkommen von Eisenerz. Die Grubenlöcher dicht beim Oberndorf, die langen Gräben im Löhlitzer Holz, die Holzkohlenreste und Schlackenhaufen vor allem im Bereich des Oberndorfs sind Zeugnis dafür. Ob die Sagen von den Wilden Leuten im Oberndorf eine Erinnerung an den Eisenabbau und die Verhüttung darstellen, kann man nur vermuten. Der Eisenerzabbau im Waischenfelder Gebiet und um die Neubürg hat etwa im hohen Mittelalter begonnen und läßt sich bis ins 17. Jhdt. hinein belegen. Eisenerzverhüttung war Privileg des Landesherrn und auf das Vorhandensein der großen Forste angewiesen. Zum Transport dieses wichtigen Rohstoffes waren günstige Verkehrswege notwendig. Nördlich von Löhlitz verläuft die Kriegsfuhr, eine alte Heerstraße. Sie kommt aus dem Raum Aufseß-Hochstahl, führt bei der Eichenmühle über die Wiesent, zieht bei der Roten Marter vorbei und führt am Wegekreuz beim Oberndorf und über den Holomann ins Ahorntal. Ein weiterer alter Fernweg ist die Gutengaß, die als Judengasse von der Kriegsfuhr abzweigt und knapp nördlich des Ortes über den Theuerrangen in Richtung Neusig verläuft. Eine dritte Altstraße, ihrem Verlauf nach wohldie älteste, kommt aus Südwesten, führt am Löhlitzer Rangen,vorbei an den Hügelgräbern,zum Holomann und weiter in Richtung Wohnsgehaig. Zum Schutz dieser Altstraßen, aber auch der Erzabbaustätten, hat man schon frühzeitig Befestigungsanlagen errichtet. Eine solche ist die seit 1594 urkundlich erwähnte Bürg, auch Vogelsburg genannt. Auch das Dürrnbührlein wird eine Turmburg gewesen sein. Von der Burganlage bei der Holomannskapelle sind Erdwall und Graben noch heute zu erkennen. In Verbindung mit den Wehranlagen steht die Wacht als Signal- und Beobachtungsposten. Auch in Löhlitz selbst befanden sich zwei Schlösser, die ursprünglich befestigt waren, wie man auf der Kartenzeichnung von 1718 noch deutlich erkennen kann. Die Sage vom Streit der beiden Schloßherren miteinander errinnert daran. Das alte Schloß, eine Turmhügelburg am Südrand von Löhlitz, war ein Wasserschloß und stand an der Stelle von Haus Nr.38. Die Sage von einem unterirdischen Gang zum Burgstuhl bei Volsbach spricht für einen Ansitz der edelfreien Herren von Volsbach, die auch der Vogelsburg ihren Namen gegeben haben. Noch 1453 im Besitz des Contz von Christanz, wurde die Anlage sicher von den Hussiten 1430, aber auch im Bauernkrieg 1524 zerstört. Ein ähnliches Schicksal hatte das zweite jüngere und unbefestigte Schloß im Bereich der Hausnummern 4 und 5. In der Zeichnung von 1718 ist der doppelgieblige Renaissancebau mit der Mauer darum gut zu erkennen. Nach der Zerstörung war es 1556 wieder aufgebaut worden. Später finden wir die Herren von Egloffstein als Erben der Groß in Löhlitz. Die adeligen Schlösser und Güter waren Lehen vom Landesherrn, dem Bischof von Bamberg. Aufgabe des Adels war der militärische Schutz der Straßen und der Abbaugruben.

von Ruprecht Konrad

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