Neusig

Der Grundbesitz vom Haus Nr.6 ist einer der ältesten in der ganzen Umgebung. Schon um das 16. Jhd. soll dieses Haus und die übrigen Hofgebäude errichtet worden sein. Die Gründer waren der Graf und Ritter vom Burgstuhl und Graf Hollmann der seinen Besitz auf dem Holleberg (Hollmannsberg) hatte. Der eigentliche Besitzer des Hofes war jedoch der Graf vom Burgstuhl. Es war hier der Sitz des zu seiner Zeit hier lebenden Vogt. Der Vogt war von dem Burgstall-Grafen hierher gesetzt worden. Dieser Landvogt mußte hier im Auftrag des Grafen von der großen weiten Umgebung von dem ansässigen Bauernvolk den Zehnt (Zoll) einsammeln. Dieser Zehnt wurde alljährlich von den Bewohnern der Gegend an den beiden Grafen Hollmann und den Grafen vom Burgstall abgegeben. Es war von allen im ganzen Jahr geernteten Frucht das zehnte. In der neben dem Wohnhaus liegenden Scheune oder Speicher mit Keller wurde dieser Zehnt von dem Vogt aufgespeichert. Das heute noch sehr gut erhaltene und aus lauter Sandsteinen rund gebaute Eingangstor und die so sehr stark gebauten Mauern erinnern heute noch an diese Zeit. Lange Jahre hindurch lebte hier auf diesem Gehöft dieser gräfliche Landvogt. Er hatte auch im Auftrag des Grafen vom Burgstall die Pflicht den hinter dem heutigen Backofen stehenden Wachtturm zu versorgen. Bei Ansammlungen feindlicher Heere mußte der Vogt sofort den Grafen verständigen und die ganze Gegend von seinem Wachtturm aus gut beobachten. Bei weiterem Vordringen der feindlichen Heere flüchtete der Vogt dann in die Burg zum Grafen vom Burgstuhl. Lange Zeit herrschte dieser gewaltige Graf vom Burgstuhl. Er hatte sich auch ein großes und mächtiges Reiterheer in den langen Jahrzehnten angeschafft so dass er auch den Mut hatte in den Kampf gegen andere Raubritter zu ziehen. Dieses Heer des Grafen vom Burgstuhl war weitaus stärker als das des Grafen Hollemann. Obwohl Graf Hollemann eine große gewaltige Kirche neben seinem Schloß erbauen ließ, hatte er wegen seiner ellenstrengen Behandlung nur wenig getreue Kriegsmannen. Das erweckte in ihm ganz besonders den Haß gegen den Grafen von Burgstuhl. Er erwog dann auch alle Gläubigen von der weiten Umgebung 5-6 Stunden und noch weiter zu ihm in die Kirche zu kommen. Ritter vom Burgstuhl aber ließ seine Leute nicht zu ihm, sondern er errichtete in seinem Schloß eine eigene Kapelle. Dieses vermehrte die Wut des Grafen Hollemann viel mehr. Eines Tages zog er gegen das Schloß des Grafen vom Burgstuhl. In einem furchtbaren Kampf der zwischen den beiden Burgen tobte fiel der Graf Hollemann und die listige Kampfesweise des Burgstuhlheeres besiegte das Heer des Hollemann. So wurde das Schloß dann vollkommen ausgeräumt, die Schloßbewohner und die übrigen Krieger brachte Graf von Burgstuhl in seine Behausung. Lange Jahre hindurch mußten sie harte Fronarbeit leisten. Ende des 17.Jhd. drangen fremde Raubritter in unsere Gegend ein. Graf von Burgstuhl hatte großen Kampfesmut. In festem Vertrauen auf sein tatkräftiges Heer und seiner Waffenausrüstung zog er ihnen entgegen. Er wurde jedoch furchtbar geschlagen und mußte in die Gefangenschaft ziehen. Das Kriegsvolk belagerte lange Zeit die Burg bis sie eines Tages vertrieben wurden und dann aus Rache alles vollkommen niederbrannten und vernichteten. Auch die durch Hollemann errichtete Kirche wurde damals niedergebrannt. Noch in unserer Zeit fand man Überreste von Grabsteinen, Türschlössern usw. So waren beide Ritterburgen vollkommen verschwunden. Infolge dieser großen Plünderei mußte auch der Landvogt des Grafen vom Burgstuhl seinen Sitz verlassen und flüchten. Der große Wachturm hinter dem heutigen Packofen wurde völlig abgebrochen und ausgeraubt. Lange Jahre hindurch waren noch Überreste und Spuren zu sehen. So war alles nun verfallen und vollkommen verödet. Nun ist mir einige Jahre hindurch nichts näheres mehr bekannt bis Anfang des 18. Jhd. ein Stamm hier in Gegend einwanderte und sich einige beherzte Männer fanden, die sich hier niederließen und noch mehr Häuser bauten und besiedelten. Nach mehreren Jahren war nun ein kleines Dörflein entstanden. Diese Männer gehörten dem Stamm der Wiedertäufer an, es war ein kräftiges starkes und überaus kluges Bauernvolk.

Geschrieben am 16, Juli 1949, von Irmgard Hacker

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