Rabeneck

Mühlen im Rentamtsbezirk Waischenfeld (1816)

Von Johann Bernhardt Haversath

In den Steuerakten des Rentamtsbezirks Waischenfeld sind die Mühlen an der Wiesent (von Freienfels bis Rabeneck), an der oberen Aufseß (von der Quelle bis Aufseß), am Aßbach/Ailsbach (von der Schweinsmühle bis zur Oberailsfelder Mühle) und je eine Mühle an der Leinleiter (Heroldsmühle) und Lochau (Mühle Schönfeld) beschrieben. Auf den ersten Blick erkennt man, daß die Kapazitätsauslastung und die Mühlendichte hier im wesentlichen mit dem Bereich des Rentamtsbezirks Ebermannstadt übereinstimmt. Dennoch gibt es bedeutende Abweichungen. Bei allen Mühlen an der Aufseß wird mit Ausnahme der Holzmühle in Kotzendorf in den Rentamtsakten auf den Wassermangel dieser Betriebe hingewiesen: Christoph Reiss zu Unteraufseß könne von seinen beiden Mahlgängen kaum einen wegen Wassermangel nutzen; Georg Brand auf der oberen Mühle in Aufseß habe nur auf einem Gang Wasser-, Philipp Woracks Witwe zu Neuhaus habe kaum auf einem Gang Wasser-, Johann Georg Knorr zu Sachsendorf habe ebenso wie Peter Hartmann zu Drosendorf und Johann Schleupnez zu Königsfeld nur auf einem Gang Wasser-, Wolfgang Griebels Betrieb auf der Mittelmühle Kotzendorf sei wegen Wassermangel sehr gering). Die Aufseß war demnach infolge geringer Wasserführung kaum imstande, das Jahr über gleichbleibend Mühlräder anzutreiben. Diese Erscheinung hängt mit der Verkarstung der Fränkischen Schweiz ursächlich zusammen. Der anstehende Kalk löst sich unter dem Einfluß von Kohlensäure, die bei der Verbindung von Wasser mit Kohlendioxid entsteht-, dieser Lösungsprozeß (Korrosion) führt zur Karst- oder Höhlenbildung, so daß oberirdisch fließende Gewässer in einem verkarsteten Gebiet zunehmend in unterirdische Höhlen verlegt werden. An Stellen, die aufgrund einer wasserundurchlässigen Sperrschicht den Höhlenfluß beenden, entstehen sog. Karstquellen; weil hier ein Höhlenfluß austritt, schütten solche Quellen in der Regel viel Wasser, unterliegen allerdings auch großen Schwankungen. Die erwähnten Mühlen an der Aufseß spiegeln damit die unregelmäßige Wasserführung dieses Flusses. Wenn die Betriebe trotzdem auf ein teilweise hohes Alter zurückblicken - die Obere Mühle in Aufseß wird schon 1215 erwähnt, so kann daraus gefolgert werden, daß diese trotz einer ungünstigen Energiebasis zur Versorgung der örtlichen Bevölkerung bestanden. Die Obere Mühle in Aufseß gehörte so jahrhundertelang zur Burg Aufseß, bis sie 1698 als Schneide- und Mahlmühle mit vier Rädern und dazugehörigen Ställen, Feldern, Wiesen und Wäldern durch Friedrich von Aufseß für 5 00 Gulden und 100 Gulden Handlohn an den Müller Gregor Brand aus Etzelskirchen verkauft wurde. Die schlechte wirtschaftliche Lage der Mühlen an der Aufseß kann daher mit den ungünstigen natürlichen Bedingungen in Zusammenhang gebracht werden. Allein die Holzmühle in Kotzendorf konnte neben dem Wasser der Aufseß noch 3 Quellen aus einem nahe gelegenen Berghang nutzen und damit die zeitweilige Wasserknappheit eindämmen. Durch alle diese Neuregelungen wurde das Hauptproblem nicht gelöst, aber es war gewissermaßen eingefroren. Die Produktion wurde dem tatsächlichen Bedarf des Marktes angepaßt. Das große Mühlensterben war abgestoppt. jeder Müller hatte, wenn auch in beschränktem Rahmen, seine Existenzmöglichkeit. Endlich schien nach langer, langer Zeit in der Müllerei alles in Ordnung zu kommen. Im Untersuchungsgebiet ist in der Zeitspanne von 1920 bis 1940 mit 11 Prozent eine wachsende Schrumpfungsrate festzustellen, die mit der allgemeinen Entwicklung nicht in Einklang zu bringen ist. Von 1920 bis 1945 wurden insgesamt 18 Mühlen stillgelegt. Die Ursachen hierfür sind unterschiedlich: In zwei Fällen waren der Tod des Müllers (Kunzenmühle Wadendorf an der Wiesent, Mittelmühle Kotzendorf an der Aufseß) oder die Einberufung zum Militärdienst (Lindenmühle Zedersitz an der Kainach, Obere Mühle in Aufseß) auslösende Faktoren. Die Baumfurter Mühle im Wiesenttal wurde 1921 im Zusammenhang mit dem Bahnbau von Ebermannstadt nach Behringersmühle abgerissen, die wiesentaufwärts gelegene Sternpfermühle 1924 zur Wassversorgung Gößweinsteins umgebaut. Weitere 12 Mühlen stellten aus Rentabilitätsgründen oder aufgrund der veralteten Einrichtung den Betrieb ein: die Rabenecker Mühle, die Plötzmühle im Kainachtal. Wiesentabwärts folgt die (Waischenfelder) Hammermühle mit drei unterschlächtigen Rädern. Die Getreide- und Sägemühle sind baulich voneinander getrennt und wurden auch bis 1915 als jeweils eigenständige Betriebe (Obere und Untere Hammermühle) geführt. Von ca. 1780 bis 1800 gehörten diese Mühlen zu Rabenstein, eine Angabe am Haus bezeichnet das Jahr 1696. Es gibt keine zuverlässigen Hinweise dafür, daß die Mühle als Eisenhammer gedient hat. Zwar ist Eisengewinnung aus Raseneisenerzen im Jura nicht ungewöhnlich, und neben den Flurnamen Hammermühle, Hammerberg und Hammerleite deuten auch Kalkofen und Ökeritz (Ockerabbau im Eisensandstein) auf bergbauliche Aktivitäten hin, für die Hammermühle läßt sich aber nur die Funktion als Getreide- und Sägemühle nachweisen. Unterhalb der Burg Rabeneck liegt die Rabenecker Mühle mit ebenfalls drei Rädern. Für 1782 ist auf einer Inschrift aus Stein am Haus der Müllermeister Hans Hubmann belegt. Warum aber die Pulvermühle in beiden Karten des Ahorntals nicht eingetragen ist, bleibt unklar.

(Auszüge aus: J.B. Haversath, Die Mühlen der Fränkischen Schweiz 

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