Stadtpfarrkirche Waischenfeld

Stadtpfarrkirche mit Anna-Kapelle und Burg Waischenfeld

Nach dem Heiltumsverzeichnis von 1558 gilt Konrad von Schlüsselberg als Stifter der Waischenfelder Pfarrkirche. Da ihr unverändert gebliebener Standort im damaligen unteren Burghof liegt (der das jetzige Pfarrhaus, das alte Schulhaus und die Annakapelle mit einschloß), liegt die Vermutung nahe, daß sie vielleicht auch als Schloßkapelle diente. 1415, also fast 70 Jahre nach dem Tode des letzten Schlüsselbergers, wird erstmals ein Pfarrer erwähnt. Im Hussitenkrieg 1430 soll die Kirche zusammen mit der ganzen Stadt zerstört worden sein. 1455 wird laut Aufzeichnung im Staatsarchiv Bamberg bereits eine neue Kirche bezeugt. 100 Jahre später ist die Kirche neu oder völlig umgebaut worden. Nachweisbar ist der spätgotische Chor, den der um 1496 in Waischenfeld geborene Friedrich Grau, genannt Nausea, Bischof von Wien, hat erbauen lassen, und zwar von Meister Jacob Malik 1548-50. An Nausea und seine Stiftung erinnert eine Gedenktafel (ebenfalls von Malik), die an der rechten Innenwand der Pfarrkirche angebracht ist. Während des Markgrafenkrieges 1552-54 (Markgraf Albrecht von Bayreuth gegen Bistum Bamberg) ist die Stadt mehrmals von Truppen besetzt und am 7. Juli 1553 von Bayreuther Kriegsvolk völlig niedergebrannt worden. Der Nausea-Chor überstand die Verwüstungen. Das heute schlicht wirkende Langhaus wurde von den verarmten Bürgern nach und nach angebaut. Bereits 1585 (Gedenktag Heinrichs II. und seiner Gemahlin Kunigunde) hat man die Pfarrkirche wieder eingeweiht. Das Gotteshaus erfuhr bis heute mancherlei Veränderungen, einige seien nur genannt. So erneuerte man 1661 die Kanzel und 1771 den Hochaltar. Zwischen 1750 und 1756 bekam die Kirche unter Leitung des Waischenfelder Baumeisters Wenzel Schwesner eine neue Ausstattung.

1896 sind Teile der Inneneinrichtung (zum Beispiel der Altar) dem neugotischen Stil angepaßt worden. Bei einer Renovierung 1935 konnten in den Deckengewölben beider Chöre alte Freskengemälde aus der 2. Hälfte des 16. Ihs. freigelegt werden. Sie zeigen unmittelbar über dem Hauptaltar Christus und Maria, ferner die vier abendländischen Kirchenlehrer mit ihren Symbolen, so den hl. Ambrosius mit Adler, den hl. Augustinus mit Engel, den hl. Gregorius mit Ochsen und den hl. Hieronymus mit dem Löwen. Im Gewölbe des Nebenchores sehen wir Adam und Eva in einem Kreuz. Im neugotischen Altar des Hauptchores sind links des Tabernakels der heilige Wendelin sowie die Eltern der Muttergottes dargestellt. Auf der rechten Altarhälfte sehen wir das Kaiserpaar Kunigunde und Heinrich II. (Gründer des Bistums Bamberg 1007) sowie die hl. Margarete. Die Fenster des Hauptchores zeigen von links den hl. Laurentius, die Taufe Jesu durch Johannes, daneben das Bild des hl. Michael sowie die hl. Familie. Im Fenster des Nebenchores unter der Anbetung der hl. Eucharistie sieht man eine alte Waischenfelder Stadtansicht. An der Säule zwischen den Chören steht eine Muttergottes im Strahlenkranz (16. Jh., stand früher in der Stadtkapelle).

Als besonders wertvoll gelten eine Anna-Selbdritt (um 1500), die früher in der Anna-Kapelle auf dem Altar stand, eine Muttergottes aus dem 14. Jh. sowie eine Vespergruppe aus dem 16. Jahrhundert. Bei der schon erwähnten völligen Umgestaltung der Kirche 1896 ist der zweite Chor wieder freigelegt worden, die Nausea-Gedenktafel bekam ihren heutigen Platz (vorher befand sie sich im Nebenchor), und die Decke des Langhauses erhielt fünf neue Bilder, gemalt von Prof. Tobias Weiß aus Nürnberg. Sie zeigen Szenen aus dem Marienleben. Sein heutiges Aussehen bekam der Innenraum 1968/69. Dabei entfernte man die zweistöckige Empore. Pfarrer Josef Kraus weihte 1984 die neue Orgel ein, 1986 erhielt das Gotteshaus einen neuen Außenanstrich, den Dachreiter unterzog man einer gründlichen Renovierung. Zu erwähnen wäre noch der alte Friedhof, der früher um die Kirche angelegt war, er wurde 1837/38 aufgelassen. Die Totengebeine werden seither im Ossarium unter der Anna-Kapelle aufbewahrt. Die Glocken sind 1949 installiert worden, die drei alten aus dem 14. bis 16. Jh. mußten 1942 abgeliefert werden.

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