22.10.2005

1. Oberfränkische Krebstage

Hier erfahren Sie alles zu den ersten oberfränkischen Krebstagen in Behringersmühle in der Fränkischen Schweiz.

Erste Oberfränkische Krebstage am 22. & 23.05.2005 in Behringersmühle eröffnet


Nicht nur für Feinschmecker, sondern vor allem für die breite Öffentlichkeit, gibt es spätestens seit dem Wochenende 22./23. Oktober 2005 ein neues kulinarisches Angebot in der Ferien- und Genussregion Oberfranken. Die Rede ist vom Signal- und Kamberkrebs aus heimischen Gewässern, der genauso wie blaue Zipfel, Schäuferla, oder Karpfen, in gesottener Form und in vielerlei weiteren Variationen in feiner gastronomischer Aufmachung zu einem Markenzeichen der Fränkischen Küche werden soll.
Um diese wahrhaft kulinarischen Gaumenfreuden bekannt zu machen hatten der "Bezirksfischereiverband Oberfranken", die "Teichgenossenschaft Oberfranken" und der alles koordinierende Verein "Fischregion Oberfranken" am Wochenende zu den ersten Oberfränkischen Krebstagen in den Behringersmühler Hotel-Gasthof Frankengold eingeladen. Unterstützt wird die Aktion von Frankengold-Chefin Andrea Luger auch in deren Funktion als Bezirksvorsitzende des oberfränkischen Hotel- und Gaststättenverbandes. Sie kann sich sehr gut vorstellen, dass Krebsgerichte zu einem festen Bestandteil ihrer saisonalen Speisekarte werden. Die Krebse, die schon in der Vorspeise mit einem "Dialog von der Lachsforelle und Flusskrebs in Wirsingkleid" und danach beim Hauptgang gesotten mit zweierlei Dips auf den Teller kamen, stammten zwar aus dem in Behringersmühle in die Wiesent endendem Ailsbach und aus der Itz, doch eigentlich sind die Tiere vor Jahren aus Amerika in unsere Gewässer eingeschleppt worden. Und gerade da liegt nun das Problem, denn die amerikanischen Signal- und Kamberkrebse brachten einst einen Pilz mit durch den die heimischen Edel- und Steinkrebse in Form einer Krebspest fast vollständig vernichtet wurden. Die amerikanischen und aggressiveren Krebsarten – Signalkrebse fressen zum Beispiel die heimischen Steinkrebsmännchen und bemächtigen sich deren Weibchen - haben sich außerdem in vielen oberfränkischen Flüssen inzwischen derart vermehrt, dass sie den restlichen heimischen Krebsbeständen die Lebensräume immer mehr streitig machen. Alleine im kleinen Ailsbach des Ahorntales leben heute mindestens 100 000 Signalkrebse und in den größeren Flüssen wie Itz und Main zusammen weit über zwei Millionen. Für Albert Schütze, den Präsidenten des Bezirksfischereiverbandes, ist da guter Rat teuer. Damit die inzwischen europäisierten amerikanischen Flusskrebse sich nicht noch weiter ausbreiten und die ohnehin geringen Bestände der einheimischen Krebsarten weiter dezimieren, gibt es laut Schütze nur eine einzige Möglichkeit: Die Anzahl der fremden Krebsarten in unseren Gewässern muss verringert werden. "Deshalb", so Schütze, "haben wir uns entschlossen die fremden Krebse – die kein gesetzlich vorgeschriebenes Schonmaß und auch keine Schonzeit haben – als feines Lebensmittel der Bevölkerung anzubieten." Und Schütze weiter: "Dass wir damit sozusagen die Feinde unserer heimischen Krebse durch Auffressen vernichten, sehe ich als ein probates Mittel zur Erreichung des erstrebten Zieles an". Ausgerottet werden die amerikanischen Krebse dadurch aber sicher nicht. Selbst dann nicht, wenn sich jeder der rund 700 000 erwachsenen Oberfranken dreimal im Jahr eine Krebsmahlzeit mit jeweils fünf Krebsen leisten würde. Erst dann wäre rein rechnerisch, laut Schütze, der Bestand an Signal- und Kamberkrebsen in unseren Flüssen auf ein erträgliches Maß geschrumpft und die kulinarische Krebssaison auf Jahre hin gesichert. Krebse vermehren sich enorm, da sie 50 bis 350 Eier pro Jahr legen und kaum natürliche Feinde haben. Laut Schütze sei es auch gar nicht vertretbar, die eingeschleppten Krebse völlig zu vernichten. Man denke nur an die Regenbogenforelle und den Bachsaibling, die ebenfalls aus Amerika stammen und heute bei uns nicht mehr wegzudenken sind. Edgar Sitzmann, Chef des Vereins Fischregion Oberfranken, verwies darauf, dass Krebse früher ein Essen für die "feinen Leute" gewesen sind. Dies soll nun anders werden, so auch der Wunsch des ehemaligen Bezirkstagspräsidenten, der die Eröffnung der nächsten Krebssaison nächstes Jahr in Coburg ankündigte. Bundestagsabgeordneter Hartmut Koschyk hob als Vorsitzender der Teichgenossenschaft Oberfranken hervor, dass gerade der alte Kurort Behringersmühle mit seinen drei Fließgewässern Ailsbach, Püttlach und Wiesent eine der aktivsten Fischregionen in Oberfranken ist. Deshalb werde Behringersmühle auch im nächsten Jahr der erste Standort eines Denkmals für den "Brotfisch" – die Forelle – sein. Weitere Standorte für ein solches Denkmal, zu dem es eine Ausschreibung unter oberfränkischen Künstlern geben wird, werden danach Weißenstadt und Kronach werden. Als besonders wichtig erachtete es Koschyk, dass die drei Vereine bezüglich künftiger Krebstage oder Krebswochen nun eine Brücke zur heimischen Gastronomie schlagen müssen. Durch das Verzehren der "falschen Krebse" könne man sinnvoll etwas für das ökologische Gleichgewicht in unseren Gewässern tun, so der MdB. Pläne, die Fischereifachberatungen künftig einem Münchner Ministerium zu unterstellen, bezeichnete Koschyk als "wirklichkeitsfremd". "Mit diesem Unsinn muss man aufhören, da die Fischereifachberatung fest im Bezirk verankert, dort segenreich, nahe am Menschen und wichtig ist und beste Arbeit leistet", so Koschyk.

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