19.07.2019

von B° RB

100 Heimatschätze

Buch "100 Heimatschätze" kostenlos im Pfalzmuseum erhältlich – Forchheimer "Ewiges Licht" 2017 prämiert

Das "Ewige Licht" ist mit Forchheims jüngster Stadtgeschichte eng verbunden

100 Heimatschätze

Preisübergabe 2017 in München: Heimatminister Albert Füracker, Christina König, stellvertretende Leiterin des Pfalzmuseums Forchheim, Susanne Fischer, Leiterin des Pfalzmuseums Forchheim und die damalige Kunstministerin Marion Kiechle (v. l. n. r.)

Einen ganz besonderen "Heimatschatz" nennt das Pfalzmuseum Forchheim sein Eigen: Das "Ewige Licht" - ein ganz besonderer jüdischer Kultgegenstand im Stadtmuseum. Zusammen mit 100 anderen "Heimatschätzen" ist die Beschreibung des Kleinods nun im gleichnamigen Buch erschienen. Herausgegeben hat das Werk das Bayerische Staatsministerium der Finanzen und für Heimat, das das Forchheimer Objekt genau vor zwei Jahren, im Juli 2017, mit einem Preisgeld von 1.000 Euro prämierte.

Was haben der „Peitinger Liebeszauber“, ein „Leichenbitterstab“, das „Ewige Licht“ und das „Zugspitzkreuz“ gemeinsam? Sie alle sind regionaltypische Kleinode, die im 240 Seiten starken Band „100 Heimatschätze - Verborgene Einblicke in bayerische Museen“ anschaulich präsentiert und deren Hintergrundgeschichten näher beleuchtet werden. Das kostenlose Buch mit der dazugehörigen „Heimatschatzkarte“ kann im Pfalzmuseum Forchheim unter der E-Mail kaiserpfalz@forchheim.de vorbestellt werden. Ebenfalls erhältlich ist das Werk unter www.bestellen.bayern.de (Abgabe nur solange der Vorrat reicht und nur in Einzelexemplaren).

Auf besondere Schatzsuche hatten sich 2017 das Heimatministerium und das Kunstministerium gemeinsam mit der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen und dem Bayerischen Landesverein für Heimatpflege im Rahmen des Wettbewerbs „100 Heimatschätze“ begeben. 300 Museen beteiligten sich mit 600 „Heimatschätzen“, unter anderen auch das Pfalzmuseum Forchheim. Die 100 besten Heimatschätze im Freistaat, darunter auch das Forchheimer Kleinod, wurden mit einem Preisgeld von 1000 Euro prämiert und mit einer Urkunde ausgezeichnet.

Die Leiterin des Pfalzmuseums Forchheim, Susanne Fischer, und die stellvertretende Museumsleiterin Christina König nahmen den Preis in München aus den Händen der damaligen Kunstministerin Prof. Dr. med. Marion Kiechle und Finanz- und Heimatminister Albert Füracker im Rahmen eines Festakts in München entgegen. Besondere Beachtung bei der Jurierung fand nicht nur das Objekt selbst, sondern auch seine Geschichte: So ist das „Ewige Licht“ mit Forchheims jüngster Stadtgeschichte eng verbunden. Es erinnert an die Synagoge für die kleine jüdische Gemeinde, die seit dem Mittelalter in Forchheim ansässig war. In der sogenannten "Reichskristallnacht" am 9. November 1938 wütete der braune Mob der Nationalsozialisten auch in Forchheim. In der Synagoge wurde das Mobiliar zerschlagen, die jüdischen Kultgegenstände landeten in der vorbeifließenden Wiesent. Am nächsten Tag wurde die Forchheimer Synagoge gesprengt. Ein Schuttberg blieb übrig, den die Juden mit bloßen Händen abräumen mussten.

Über viele Generationen erzählte man sich in Forchheim, dass die jüdischen Kultgegenstände aus der Synagoge unwiederbringlich verloren seien. Nachforschungen des Pfalzmuseums ergaben jedoch, dass eine Anwohnerin mutig die Gegenstände aus der Wiesent gefischt, sie aufbewahrt und nach dem Krieg der Jewish Restitution Successor Organisation (IRSO) übergeben hat. Dafür durfte sie das ehemalige Synagogengrundstück erwerben, auf dem in den 50er Jahren ihr Enkel, der spätere, langjährige Oberbürgermeister von Forchheim, Franz Stumpf, spielte. Der Verbleib der jüdischen Kultgegenstände aus Forchheim konnte bis heute nicht geklärt werden, seien sie doch auf nicht näher zu bestimmende "amerikanische Museen" verteilt worden (Auskunft Jüdisches Zentralarchiv Jerusalem).

Genau 60 Jahre nach der "Reichskristallnacht", im November 1998, wurde dem Pfalzmuseum jedoch ein Objekt angeboten, das die ganzen Jahre auf dem Dachboden von Manfred Fenne überdauert hatte: Das "Ewige Licht" (Ner tamid) der Synagoge, das zur Erinnerung an den siebenarmigen Leuchter des Tempels vor dem Toraschrein hing. Der ursprüngliche Glaseinsatz ging verloren, leuchtet aber in der Inszenierung im Museum weiter, erzählt von den Vorgängen in der Reichspogromnacht und bleibt als einziges Erinnerungsstück an die Forchheimer Synagoge erhalten.

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